Die Schlacht bei Manassas

Die Soldaten auf beiden Seiten des Krieges hatten ein ungewöhnliches Selbstbewusstsein. Die meisten glaubten, dass der Krieg nicht lange anhalten, und nach wenigen Schlachten der Frieden wieder einkehren würde. Während die Soldaten der Union ihren Gegner nicht ernst nahmen, hielten die Südstaatler die verhassten Yankees für feige, da sie nach der Niederlage in Fort Sumter den Mut für eine große Schlacht verloren hätten. Zwar waren die militärischen Führungskräfte nicht ganz dieser Meinung, aber mit einen totalen Krieg hatten sie Anfangs auch nicht gerechnet.


So war General Winfield Scott - ein Unionist aus Virginia - nicht der Ansicht, dass man den gesamten Süden erobern müsste, da nach dem Krieg die Besatzungskosten sowieso zu hoch sein würden. Sein Vorschlag war, den Süden durch eine Seeblockade, unterstützt durch die Infanterie entlang des Mississippi, auszuhungern.


Dieser Vorschlag wurde aber abgelehnt, da Vorbereitungen für diese Maßnahme durch den Bau von Kanonenbooten zu lange dauern würden. Man forderte eine Invasion auf eine Südstaaten-Armee, die einen Eisenbahnknotenpunkt in Nord-Virginia besetzt hielt, der Manassas genannt wurde, und Lincoln stimmte zu. Er hatte sogar die Hoffnung, in Richmond - die Hauptstadt der Konföderierten - einmarschieren zu können.


Für diese Aufgabe ernannte Lincoln General Irwin McDowell zum Kommandeur von über 30000 Soldaten, die sich bis Mitte Juli 1861 im Raum Washington eingefunden hatten. McDowell war ein intelligenter, aber auch jähzorniger und unhöflicher Zeitgenosse. Er trank zwar keinen Alkohol, aß aber dafür umso mehr. Sein Plan war, zum einen den Eisenbahnknotenpunkt Manassas anzugreifen, der von 20000 Südstaaten-Soldaten verteidigt wurde, zum anderen sollte gleichzeitig Harpers Ferry im Norden des Shenandoah-Tals eingenommen werden. Diese Aufgabe sollte der 69-jährige General Robert Patterson mit seinen 15000 Soldaten übernehmen. Diese beiden Punkte waren für die Südstaatler strategisch wichtig, da von Manassas aus eine Eisenbahnlinie durch die Berge in das Shenandoah-Tal verlief und so ein leichter Truppentransport zwischen beiden Orten möglich war. General Beauregard war der Kommandeur des Südens, der die Truppen bei Manassas befehligte, während Joseph E. Johnston für die Verteidigung des Shenadoah-Tals zuständig war.


McDowells Plan war gut, aber nur theoretisch. Praktisch benötigte er dazu erfahrene und geschulte Soldaten. Die hatte er aber nicht. Seine Armee war gerade im Aufbau. McDowells teilte sie in fünf Divisionen ein, die wiederum von jeweils mehr oder weniger erfahrene Kommandeure befehligt wurden. Die Soldaten der jeweiligen Division hatten eine Dienstzeit von 90 Tagen und die war bei einem Großteil bald zu Ende, was deren Ehrgeiz für eine neue große Schlacht nicht gerade förderte. McDowells Bitte, den Angriff zeitlich zu verschieben wurden abgelehnt. "Man sei zwar unerfahren, das seien die anderen aber auch, so dass beide im gleichen Maße unerfahren sind", bekam er zur Antwort.


So setzten sich die Divisionen am 16. Juli 1861 in Bewegung, und zwar zunächst in Richtung Centreville, das sechs Kilometer nordöstlich von Manassas lag. Von dort aus wollte McDowell dann Beauregards Streitkräfte bis nach Manassas zurückdrängen, um den dortigen Eisenbahnknotenpunkt zu besetzten. General Patterson sollte währenddessen verhindern, dass Johnstons Streitkräfte, die im Shenandoah-Tal stationiert waren, Beauregard zu Hilfe kommen. Doch der Plan verlief anders als erwartet. Einer der Gründe war der, dass McDowells Truppen einfach zu langsam waren. Für die Strecke, die erfahrene und durchtrainierte Soldaten einen Tag bewältigt hätten, benötigten McDowells Soldaten drei Tage. Hinzu kam, das Beauregad durch seine Spione von McDowells Vorhaben erfuhr, bevor dessen Truppen sich in Bewegung setzten. So hatte er genügend Zeit, sich rechtzeitig zum Bull Run zurückzuziehen. Der Bull Run war ein Bach, der eine natürliche Verteidigungslinie für die Südstaaten-Truppen bildete. Hier konnte Beauregard in Ruhe die Übergänge besetzten, die McDowells nach seiner Meinung benutzten würde, um den Bull Run zu überqueren.


Was ihm aber noch fehlte, war die Verstärkung durch Johnstons Truppen, die Patterson Linien am 18. und 19. Juli durchbrechen konnten. Als er schon nicht mehr mit der Ankunft rechnete, erreichten drei Regimenter am 20. Juli und einen Tag darauf ein weiteres Regiment den Run Bull. Am 21. Juli begann Johnston sofort damit, neun Brigaden von der Mitchell´s Furt bis zur Union Mills Furt entlang der zehn Kilometer langen Frontlinie in Stellung zu bringen, da es in diesem Gebiet - genauer gesagt an der Blackburn´s Furt - drei Tage zuvor bereits einen Angriff der Unionstruppen gegeben hatte, der aber zurückgeschlagen werden konnte. Nur anderthalb Brigaden sollten den linken Flügel an der Steinbrücke halten. Doch die ersten Unionstruppen überquerten den Run Bull unter der Führung von David Hunter an der Sudley Furt, ein Übergang, weit abgelegen von den konföderierten Stellungen. Gleichzeitig marschierten weitere Brigaden der Union, die unter der Führung von Daniel Tylor standen, auf die Steinbrücke zu. Sie hatten die Aufgabe, vom eigentlichen Vorstoß an der Sudley Furt abzulenken. Der Kommandeur der konföderierten Truppen an der Steinbrücke war Colonel Nathan Evans, ein trinkfester Rüpel. Dieser erkannte schnell, dass es sich bei dem Angriff auf die Steinbrücke nur um eine Kriegslist handelte.


Daraufhin schickte er seine Truppen vor, um sich Hunters Brigaden, die immer näherrückten, entgegenzustellen. Nur 400 Mann ließ er für die Verteidigung der Steinbrücke zurück. Evens benötigte nun Verstärkung von den Truppen, die Johnston Anfangs an den falschen Stellen stationiert hatte. Bis zu deren Eintreffen verschanzte er sich mit seinen Truppen auf einem Hügel, dem Matthews Hill. Hier hielt er den Angriff von Hunters Soldaten stand. Hunter selber wurde dabei tödlich verletzt. Das Kommando wurde nun von einem gewissen Burnside übernommen. Endlich kam die erhoffte Verstärkung in Form von zwei Brigaden, die von den Kommandeuren Bee und Bartow befehligt wurden. Zusammen umfasste die konföderierte Truppe nun 4500 Soldaten, die gegen 10000 Unions-Soldaten kämpfen mussten. Zwei Stunden lang konnten sie der Übermacht der Unionstruppen widerstehen. Dieser Übermacht war es dann aber zu verdanken, dass sich die konföderierten Truppen auf den Henry Hill zurückziehen mussten. Über die Hälfte der Unionstruppen konnten nun den Bull Run überqueren.


Für McDowell schien es, als hätte er den Sieg in der Tasche. Während Bee versuchte, seine aufgelöste Brigade wieder zu sammeln, kam eine weitere Brigade hinzu, die unter der Führung von General Jackson stand. Jackson hatte aber nicht vor, sofort anzugreifen. Er brachte seine Soldaten in Stellung und wartete weitere Befehle ab. Nachdem Bee den Grossteil seiner Soldaten wieder gefunden hatte, forderte er sie zu einem weiteren Angriff auf. "Seht Jackson, er steht dort wie eine Wand", waren sinngemäß seine Worte. Einige Soldaten fassten diese Worte als Kompliment für Jackson auf, andere interpretierten diese Äußerung etwas kritischer. Für diese Soldaten war Jackson jemand, "der mit seinen Männern da steht und nichts tut, während man selber in ein weiteres Gefecht ziehen musste". Was Bee mit seinen Worten wirklich meinte, konnte man nicht mehr erfahren, da bei diesem Gefecht Bee selber und viele seiner Soldaten den Tod fanden. Auch Jacksons Brigade erhielt hohe Verluste, während sie einen Sturmangriff der Unionstruppen abwehrte. Für ihre Standhaftigkeit erhielt die Brigade den Namen "Stonewall-Brigade". Schließlich erreichten auch Beauregard und Johnston den Henry Hill und nach und nach trafen weitere Truppen ein, die ursprünglich an der falschen Stelle stationiert waren. Mit einer Anzahl von 8000 Soldaten waren die Konföderierten zwar immer noch unterlegen, sie hatten auf dem Hügel aber eine bessere Position.


So konnten sie zunächst zwei von McDowells Brigaden mit einem Kugelhagel abwehren. Später gelang ihnen das auch mit weiteren nachrückenden Infanterietruppen der Union. Als sich der Rest dieser Truppen wieder sammelte, kam eine große Zahl von blau bekleideten Reitern aus einem Walddickicht hervor. Da die Unions-Truppen ebenfalls blaue Uniformen an hatten, war ihnen nicht klar, ob es sich um Freund oder Feind handelte. Die Überlegung und Diskussion darüber dauerte zu lange. Bevor sie merkten, dass es sich bei den Reitern um eine Kavallerie der Konföderierten handelte, die unter der Führung von James Ewell Brown ("Jeb") Stuart stand, kam ihnen schon eine Gewehrsalve entgegen, die fast alle ihre Pferde vernichtete. Eine Gegenwehr der Unionssoldaten war nicht mehr möglich, sie mussten nun die Flucht ergreifen. Dabei ließen sie eine stattliche Anzahl von Kanonen zurück, die nun gegen sie selber gerichtet wurden. Die blaue Uniform bei den Konföderierten war aber keine beabsichtigte List. Am Anfang des Krieges trugen viele konföderierte Soldaten blaue Uniformen, was sich erst später änderte.


Zwar war die Schlacht für die Konföderierten durch diesen Erfolg noch nicht gewonnen, im Laufe des Tages wurde die Armee der Union aber mehr und mehr geschwächt. Beauregard und Johnston gelang es, immer mehr neue Truppen anzufordern. Bald kämpften genau so viele Südstaatler auf dem Schlachtfeld wie Nordstaatler. Der Unterschied war nur, dass die nachrückenden Soldaten des Südens ausgeruht, während die Unions-Soldaten durch die vielen Gefechte erschöpft waren. So kam es, dass eine große Anzahl von Unions-Soldaten die Flucht ergriffen, was die anderen Regimenter, die das beobachteten, entmutigte und dazu veranlasste, ebenfalls die Flucht zu ergreifen. Zwischen den Flüchtenden mischten sich auch Zivilisten und sogar Politiker, die das Ganze zunächst aus sicherer Entfernung beobachtet hatten und nun mitten im Geschehen waren. McDowells Armee wurde so mehr und mehr geschwächt. In dieser Situation befahl Beauregard, die restlichen Unions-Regimenter anzugreifen und in die Flucht zu schlagen, was im schließlich auch gelang. Die Schlacht war gewonnen. Dennoch waren die Verluste auf beiden Seiten erheblich. Während die Konföderierten 387 Tote und 1582 Verwundete zu beklagen hatten, waren es bei den Unionisten 460 Tote und 1124 Verwundete. Viele weitere Soldaten wurden vermisst.


Jefferson Davis, der am Ende selber den Kriegschauplatz aufsuchte, befahl den Generälen, dem Feind nachzusetzen. Doch dafür waren die eigenen Truppen selber viel zu geschwächt, so dass Beauregard und Johnston dieses ablehnen mussten. Viele Konföderierte glaubten nach diesem Sieg, der Krieg sei bald beendet. Dabei beachteten sie nicht, dass während des ganzen Tages beide Seiten im Wechsel Erfolge und Misserfolge zu verbuchen hatten und das die Schlacht erst ganz zum Schluss entschieden wurde.




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