Jacksons Feldzug im Shenandoahtal

Ende Mai 1862 stand General McClellans Armee ca. 10 Kilometer vor Richmond (Virginia), der Hauptstadt der Konföderierten, jederzeit bereit gegen Joseph E. Johnston loszuschlagen, der sich bis zum Chickahominy River zurückgezogen hatte. Der General zögerte jedoch immer noch mit einem Angriff. Er wartete auf weitere 35000 Mann, die unter der Führung von General Irvin McDowells standen und ursprünglich für die Verteidigung Washingtons bei Fredericksburg stationiert waren. Jetzt stand diese Division aber kurz vor dem Aufbruch nach Süden, um McClellan zu unterstützen. 160 Kilometer weiter nordwestlich kontrollierte General Thomas J. "Stonewall" Jackson mit seiner 17000 Mann starken Division das Shenandoahtal. Seine ihm von General Robert E. Lee gestellte Aufgabe war es, ein Ablenkungsmanöver durchzuführen, um McDowells Divisionen ins Shenandoahtal zu locken. Dadurch würde man eine Verstärkung bei Richmond verhindern. Bereits zwei Monate zuvor - im März 1862 - gelang Jackson ein solches Ablenkungsmanöver, wenn es auch ursprünglich gar nicht geplant war. Hier sollten zwei Divisionen, die unter der Führung von General Nathaniel Prentiss Banks standen, nach Fort Monroe abkommandiert werden. Jackson griff eine dieser Divisionen an, verlor zwar die Schlacht, veranlasste aber Präsident Lincoln dazu, den Transfer zu stoppen, da dieser glaubte, Jackson habe nur gewagt anzugreifen, weil dieser über eine große Streitmacht verfügen würde, was aber gar nicht der Fall war.


Jackson begann mit seinem ersten Ablenkungsmanöver am 30. April 1862. An diesem Tag setze er sich in Richtung Osten in Bewegung und überquerte dabei den Blue Ridge. Späher der Union glaubten nun, er würde nach Richmond marschieren, um General Johnston zu unterstützen. Statt dessen setzte er in Charlottesville (1) seine 9000 Soldaten in den Zug und fuhr zurück in westlicher Richtung bis nach Staunton (2), um von dort aus bis zum Dorf McDowell (3) zu marschieren. Hier stieß er am 9. Mai auf eine zahlenmäßig weit unterlegende Unions-truppe, die er bei einem Überraschungsangriff ohne Probleme besiegen konnte. Anschließend setzte er seinen Marsch fort. Sein Ziel war jetzt wieder das Shenandoahtal. Hier hatten sich eine Division unter der Führung von General Banks nach Strasburg (4) zurückgezogen, wo dieser einen Angriff von Jackson erwarteten. Grafik oben: Die markanten Punkte während Jacksons Feldzug im Shenandoatal (Virginia)


Um Banks Annahme zu bestätigen, ließ Jackson seine Kavallerie unter Turner Ashby in einem Scheinangriff auf Strasburg zureiten, während er selber mit dem Großteil seiner Armee bei New Market (5) wieder nach Osten abdrehte, um über den Massanutten Mountain das Luraytal zu erreichen. Hier erfolgte der zweite Überraschungsangriff. Zusammen mit seinem Divisionskommandeur überfiel er am 23. Mai 1862 einen Unionsvorposten in Front Royal (6), den er auch hier wieder ohne Probleme besiegen konnte. Als Banks die Lage erkannte, zog er sich aus Strasburg zurück und bezog in das 32 Kilometer weiter nördlich entfernte Winchester (7) Stellung. Auf dem Weg dorthin wurden Banks Soldaten von Jacksons Truppen verfolgt. Jackson war dank einheimischer Kundschafter und dank der Zivilbevölkerung über alle gegnerischen Truppenbewegungen informiert. Zwar erreichte der Großteil von Banks Truppen ihr Ziel, sein Wagenzug mit Waffen und Proviant viel aber den Konföderierten in die Hände. In Winchester kam es dann am 25. Mai zu einem Gefecht, bei dem 6000 Unions-Soldaten 15000 konföderierte Soldaten gegenüberstanden.


Dank der Übermacht gab es zwar einen heftigen, aber nur kurzen Kampf, den die Konföderierten schließlich gewannen. Schon am 24. Mai schien Jacksons Ablenkungsmanöver Früchte zu tragen. Denn an diesem Tag befahl Präsident Lincoln General Frémont, seinen Feldzug ins östliche Tennessee abzubrechen und mit seinen Truppen vom Westen aus nach Harrisonburg (8) zu gehen. Von dort aus sollte er nach Norden marschieren und Jackson in den Rücken fallen. Frémont machte aber einen 64 Kilometer weiten Umweg, da die kürzeren Wege vom Feind blockiert waren. Auch General McDowell, der ursprünglich General McClellan bei Richmond zu Hilfe kommen sollte, musste zwei Divisionen abgeben. Widerwillig schickte er daraufhin eine Division unter General James Shields von Osten her in das Gebiet um Harrisonburg. Zwar machten Shields Truppen keine Umwege, dennoch bewegten sie sich viel zu langsam, so dass Jackson genügend Zeit hatte, sich bis auf wenige Kilometer vor Harper´s Ferry (9) zu nähern, das hoch im Norden lag.


Statt aber nun in Richtung Norden weiterzumarschieren, machte er wieder kehrt und marschierte wieder nach Strasburg zurück. Frémont und Shields hatten Harrisonburg noch längst nicht erreicht. Im Gegenteil, sie befanden sich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in der Nähe von Strasburg. Frémont ging dank seines Umweges von Westen auf Strasburg zu, Shields von Osten.


Jetzt hatten sie die Chance, Jackson in die Zange zu nehmen und von zwei Seiten anzugreifen. Sie nutzten sie aber aus unerklärlichen Gründen nicht, so dass Jackson am 1. Juni Strasburg räumen und seinen Weg gen Süden fortsetzen konnte. Erst jetzt wurde Jackson von beiden Unions-Generälen bedrängt. Während Frémont ihn auf der Mautstrasse durch das Tal verfolgte, eilte Shields mit seinen Truppen östlich des Massanutten Mountain in Richtung Süden. Hierbei gab es kleinere Gefechte mit der Kavallerie, die zu Beginn einen Scheinangriff auf Strasburg verübt hatten. Der Kommandeur Ashby kam dabei ums Leben.


Dennoch konnte die Kavallerie vier Brücken zerstören, um die Unionstruppen aufzuhalten. Die letzte intakte Brücke über den Shenandoah lag bei Port Republic (10), das sich ganz im Süden des Tals befand. Jacksons Soldaten erreichten die Brücke zwar, Ewells Division lag jedoch 5 Kilometer Nördlich in Cross Keys (11) fest. Hier wurden sie nun am 8. Juni von General Frémont angegriffen. Obwohl Frémont fast doppelt so viele Soldaten hatte wie der Feind, kam bei dem Angriff nichts heraus. Statt mit seiner ganzen Streitmacht den Feind zu überrollen, blies er nur mit einem kleinen Teil zum Angriff. Eine Abwehr der Unions-Soldaten war nun keine Problem mehr.


Jackson erkannte die Schwäche des Feindes. Er sah aber auch, dass Shields im Osten nicht weit entfernt war. Zusammen mit Frémont hätte dieser eine zahlenmäßig überlegene Streitmacht gehabt. Statt aber nun die Flucht zu ergreifen, gab er in der Nacht zum 9. Juni Ewell den Befehl, mit seine Truppen nach Port Republic zu kommen. Nur ein kleiner Teil sollte in Cross Keys bleiben, um den schwachen Frémont zu beschäftigen. Währenddessen griff Jackson Shields Vorhut an und besiegte sie auf der ganzen Linie. Gegenüber der Vorhut waren Jacksons Soldaten noch in der Überzahl. Dennoch war es für sie ein harter Kampf, so dass der weitere Plan, kehrt zu machen und Frémont anzugreifen, scheiterte. Was folgte, war dann doch schließlich ein Rückzug nach Brown´s Gap im Blue Ridge.


Dennoch war Jacksons Feldzug ein voller Erfolg. Das Hauptziel, den Gegner von wichtigen Aufgaben in anderen Teilen des Landes abzulenken, war erreicht. Dabei trickste er drei Verbände (Banks, Shields, Frémont) aus, die unabhängig voneinander operierten und gewann fünf Schlachten. Hätte auch nur einer der drei Unions-Generäle den Mut und die Entschlossenheit gehabt wie Jackson, wäre der Feldzug vielleicht anders ausgegangen.

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