Die Kraterschlacht bei Petersburg

Nachdem General Grant mehrere vergebliche Versuche unternommen hatte, die Verteidigungslinie vor Petersburg durch Sturmangriffe zu überrennen, war er seit dem 19. Juni zu einer Belagerung der Stadt gezwungen. Es machte keinen Sinn mehr irgendwelche offensive Manöver durchzuführen. Grants Soldaten hatten zu viele Wochen ohne Ruhepause gekämpft. Jetzt waren sie kampfesmüde und die Moral stand auf dem Tiefpunkt. Dennoch führten die Yankees bereits 6 Tage später ein Manöver durch, dass zu den spektakulärsten Aktionen des gesamten Krieges gehörte. In der Mitte der Unionsfront waren einige Truppen des 9. Korps stationiert. Kommandeur des Korps war General Burnside.


In einer Entfernung von knapp 150 Meter hatte sich der Feind auf einem erhöhten Frontvorsprung verschanzt. Aus dieser günstigen Position heraus war es ihm leicht möglich, dem Gegner massiv zuzusetzen. Zu den Unions-Truppen gehörte auch das 48. Pennsylvania-Regiment, einer Einheit mit vielen Soldaten, die ursprünglich aus dem Bergbau kamen. Eines Tages vernahm ein gewisser Colonel Henry Pleasant die Flüche eines Soldaten: "Man könne das ganze verdammte Fort in die Luft sprengen, wenn man einen Schacht drunter graben würde". Normalerweise hätte man einen solchen Ausspruch wahrscheinlich nicht erst genommen. Pleasant jedoch war vor dem Krieg Bergbauingenieur und so fand er diese Idee gar nicht so abwegig. Also entwickelte er einen Plan, den er zunächst seinem Divisionskommandeur unterbreitete und schließlich von Burnside genehmigt wurde.


Am 25. Juni begannen die Soldaten des 48. Pennsylvania-Regiments mit den Bauarbeiten. Der Schacht musste eine Länge von mindestes 500 Fuß haben. Wegen der Frischluftzufuhr hatte man bisher nur Schächte bis 400 Fuß graben können, daher hielt sich die Begeisterung über dieses Vorhaben bei den Generälen Grant und Meade in Grenzen. Pleasant konnte jedoch seine Kenntnisse aus dem Bergbau nutzen. Er besorgte sich Holz, um die Decke abzustützen und ein spezielles Messgerät, mit dem Entfernung und Richtung ermittelt werden konnte. Außerdem wurde ein Wetterschacht angelegt, durch dem Frischluft angesaugt wurde. Somit war es möglich, den Schacht bis auf 511 Fuß auszugraben. Am Ende wurden mehrere seitliche Schächte angelegt, die jeweils eine Länge von 40 Fuß hatten und die bis unter die feindlichen Stellungen reichten. Die Schächte wurden nun mit insgesamt vier Tonnen Schießpulver befüllt. Obwohl Grant und Meade von dieser Sache immer noch nicht überzeugt waren, gaben sie Burnside die Genehmigung die Mine zu sprengen, um anschließend mit seinen Truppen durch die entstandene Lücke anzugreifen. Burnsides Korps bestand aus vier Divisionen, von denen aber nur eine frisch und somit voll einsatzfähig war. Diese Division setzte sich aus schwarzen Soldaten zusammen, die nach Meinung der meisten Offiziere für eine solche Mission untauglich waren. Burnside jedoch glaubte an diese Truppe und war sofort bereit sie einzusetzen.


Aber am 30. Juni, einige Stunden kurz vor der Sprengung, musste er sich Meades Befehl beugen, doch eine weiße Mannschaft vorzuschicken. Wahrscheinlich hatte auch Meade kein Zutrauen zu den schwarzen Soldaten. Offiziell hieß es jedoch, man hätte weiße Soldaten in den Kampf geschickt, um sich im Falle eines Scheitern nicht den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, schwarze Soldaten für dieses riskante Manöver verheizt zu haben, weil sie einem egal seien. In den folgenden Stunden sollte sich jedoch zeigen, dass diese Entscheidung ein Fehler war. Burnside hatte sich auf den Einsatz der schwarzen Division eingestellt und ihnen zuvor taktische Unterweisungen erteilt. Mit Meades Befehl wurde alles über den Haufen geworfen. Jetzt sollte irgendeine weiße Division den Angriff starten, die zuvor ausgelost wurde. Das Los traf eine Einheit, die von einem gewissen James H. Ledlie befehligt wurde. Ledlie war Alkoholiker und zog es während des Einsatzes vor, sich zu betrinken. Als das Dynamit gezündet wurde, wurde ein 170 Fuß langes, 60 Fuß breites und 30 Fuß tiefes Loch in den Boden gerissen.


Ein ganzes konföderiertes Regiment und eine Artilleriebatterie wurden darin begraben. Da nun aber kein Kommandeur in der Nähe war, der die nachfolgende Yankee-Truppe anführte, versäumte sie es, an den Krater vorbeizurennen und die gegnerische Front komplett aufzurollen. Stattdessen blieben die Soldaten stehen und ergötzten sich nicht nur an dem schrecklichen Schauspiel, viele stiegen auch noch den Krater hinab. Man schien zu glauben, mit diesem spektakulärem Manöver sei der gesamte Gegner vernichtet worden. Die feindliche Front war aber groß, und so dauerte es nicht lange, bis die sich im Krater befindlichen Yankee-Soldaten von feindlicher Artillerie unter Beschuss genommen wurden. Gegen Nachmittag kam auch noch ein massiver Gegenangriff einer südstaatlichen Division hinzu, worauf sich die Yankees geschlagen zurückziehen mussten. Die schwarze Division, die zum Schluss ebenfalls ins Feld geschickt wurde, traf es am härtesten, da im Gegensatz zu weißen Soldaten, Schwarze nicht gefangen genommen, sondern gleich ermordet wurden. Durch das Versagen einzelner Divisionskommandeure hatte die Union am Ende 4000 Opfer zu beklagen, doppelt so viele wie der Gegner.

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