Der amerikanische Bürgerkrieg war geprägt von den offenen Schlachten und blutigen Gefechten. Manassas, Shilo und Gettyburg waren Orte, die ihren Platz in den Geschichtsbüchern gefunden haben. In der zweiten Hälfte des Jahres 1864 war die ganze Aufmerksamkeit beider Kriegsparteien auf Virginia und Georgia im Osten des Landes gerichtet. Mitte Juni belagerte Unions-General Grant die Stadt Petersburg, Sherman besetzte Anfang September Atlanta und Sheridan vertrieb im Oktober General Earlys konföderierte Truppen aus dem Shenandoahtal. Im Anschluss an Sheridans Erfolg praktizierte der General eine Kriegsführung, die man bis dahin vorwiegend nur von konföderierten Partisanen und Guerillakämpfer kannte: Die Vernichtung der Ernte und des Viehbestandes im Shenandoahtal. Über derartige Kämpfer bzw. Organisationen, in denen diese Kämpfer zu finden waren, gab es im ganzen Land zahllose Berichte. Manche wurden als maßlos übertrieben abgetan oder als Fälschung bezeichnet, andere entsprachen durchaus der Wahrheit.


In Missouri jedoch konnte man die Aktivitäten der Organisationen und deren Gefährlichkeit nicht bestreiten. Hier operierte eine Organisation, die sich "Order of American Knights" nannte und dessen Befehlshaber General Sterling Price war. Die Organisation unterhielt Verbindungen zu verschiedenen Partisanengruppen und Price hatte einen Plan, nach dem Missouri durch eine Invasion mit Partisanenangriffen zurückerobert werden sollte.


Nachdem der General 12000 Kavalleristen hinter sich versammelt hatte, marschierte er im September 1984 in Missouri ein. Die verschiedenen Partisanengruppen hatten nun die Aufgabe, bei den Unionstruppen durch Blitzangriffe Verwirrung zu stiften, um sie von dem eigentlichen Einmarsch abzulenken. Gleichzeitig sollten die Anführer der Organisation bei der Bevölkerung Sympathien für die Invasoren gewinnen. Daraus wurde aber nichts, denn die Anführer wurden allesamt verhaftet und es zeigte sich, dass die Organisation doch nicht so einflussreich war, als man dachte. Die Partisanengruppen hingegen erfüllten ihre Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit des Generals. Bei ihren Angriffen zerstörten sie nicht nur Eisenbahnlinien und Planwagentrecks, auch die Schiffart auf dem Missouri wurden zum Erliegen gebracht. Und dabei gingen sie nicht gerade zimperlich vor.


Einer der berühmtesten Guerillakämpfer war William Clarke Quantrill. Als Sohn eines Lehrers wurde er in Ohio geboren und lebte bis zum Ausbruch des Krieges ziellos dahin. Eigentlich hatte er zum Süden und zur Sklaverei gar keine Beziehung, dennoch schlug er sich auf die Seite der Konföderierten. Denn in Missouri, dass sich von Anfang an gegen den Willen der Konföderierten für die Union entschieden hatte, fand er ein reichhaltiges Betätigungsfeld für seine "besonderen Talente". Hinter Quantrill versammelten sich einige der schlimmsten Verbrecher und Killer. Die berüchtigsten waren Frank und Jesse James sowie Cole und Jim Younger. Quantrill war äußerst brutal und skrupellos. Er ließ morden, plündern und brandschatzen. Unbewaffnete Soldaten und Zivilisten - ob schwarz oder weiß - wurden kaltblütig umgebracht. Oft hatten die Metzeleien gar nichts mit dem eigentlichen Krieg zu tun. Viele Anhänger Quantrills waren psychopathische Killer, die meistens nur Freude an der Gewalt empfanden. Dennoch hatten ihre Attacken eine gewisse Auswirkung auf die strategische Planung der Unions-Kommandeure, da die Soldaten oft genug von ihren eigentlichen Einsatzorten abgezogen werden mussten, um die Guerillabanden zu bekämpfen.


Ein weiterer brutaler Guerillakämpfer, der sich mit seinen ca. 50 Anhängern - darunter auch Frank und Jesse James - von Quantrills Truppe abgesplittert hatte, war "Bloody Bill" Anderson. Von August bis Oktober 1864 wütete er in Missouri und brachte bei seinen Überfällen auf isolierte Unions-Truppen nicht nur Soldaten um, sondern auch Zivilisten wie Köche oder Fuhrleute. Den brutalsten Überfall verübten seine Leute am 27. September 1864 in Centralia (Illinois). Hier überfielen sie einen Zug, raubten die Passagiere aus und ermordeten 24 unbewaffnete Soldaten. Nachdem sie von der eilig herbeigeholten Miliz aus der Stadt getrieben worden waren, verstärkte "Bloody Bill" seine Truppe mit 175 Mann. Daraufhin kehrte er um und wandte sich nun gegen seine Verfolger. Dank der zahlenmäßigen Überlegenheit seiner Truppe, war es ihm möglich, den größten Teil der gegnerischen Truppe niederzumetzeln. Selbst bei den Verwundeten kannte er keinen Pardon. Er ließ sie durch Kopfschuss töten.


Am selben Tag marschierte General Price auf die Hauptstadt von Missouri - Jefferson City - zu, in der er einen Gouverneur einsetzen wollte. Sein ursprüngliches Ziel, St. Louis, hatte er geändert, da die Übermacht der Unionstruppen in der Stadt zu groß war. Aber auch in Jefferson City hatte die Union inzwischen ihre Verteidigungsstellung verstärkt, so dass er auch von diesem Plan absah. Also setzte er seinen Marsch nach Westen fort. Unterwegs schlossen sich ihm immer mehr Guerillatruppen an, mit denen er gemeinsam eine Spur der Verwüstung hinterließ. Ca. einen Monat trieb er in Missouri sein Unwesen, bis er am 11. Oktober in Boonville auf "Bloody Bill" traf. Beide zusammen hätten den Staat möglicherweise komplett ins Chaos stürzen können. Glücklicherweise war ihnen aber bereits eine nicht geringe Anzahl von Milizsoldaten aus Kansas auf den Fersen und von hinten näherte sich die Unionskavallerie und Infanterie. Was folgte, waren mehrere kleinere und größere Schlachten, die vom 20. bis 28. Oktober in der Nähe von Kansas City stattfanden und bei denen Price und "Bloody Bill" eine Einmarsch in Missouri: Markante OrteNiederlage nach der anderen erdulden mussten. Sie hatten daraufhin keine andere Wahl, als die Flucht nach Süden anzutreten. Ihr Fluchtweg führte durch das Indian Territory nach Texas, und von da aus wieder nach Arkansas. Zu Beginn seiner Invasion verfügte Price über 12000 Soldaten. Außerdem schlossen sich ihm Tausende von Partisanen an. Am Ende jedoch, bestand seine Armee nur noch aus 6000 Mann. Nicht nur, dass die konföderierte Armee unter Price damit geschlagen war, auch die gefährlichsten Guerillatruppen wurden bei den Kämpfen zerschlagen und "Bloody Bill" Anderson - und später auch William Quantrill - fand auf dem Schlachtfeld den Tod.





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