Eroberung von Petersburg und Richmond

Mitte März 1865 war es dem konföderiertem General Joseph Johnston nicht gelungen, den Durchmarsch der Yankees durch North Carolina zu stoppen. Für General Sherman war damit der Weg nach Petersburg frei. Hier hatte er vor, zusammen mit General Grant, Lees Armee zu vernichten. Lee selber hatte sich mittlerweile verstärkt für die Bewaffnung der Schwarzen eingesetzt. Im Gegenzug sollte ihnen dafür vorher die Freiheit geschenkt werden, da es nach Lees Ansicht nicht klug gewesen wäre, Sklaven ins Feld zu schicken. Die Idee, Sklaven zu rekrutieren, gab es schon zu Beginn des Krieges und nach der Niederlage bei Gettysburg flammte sie wieder auf. Die meisten Südstaatler waren jedoch dagegen. Die Forderung des Feindes, alle Sklaven zu befreien, galt im Süden als "abscheulichste Tat in der Geschichte der Menschheit", und nun sollten sie für die eigene Sache doch befreit werden ? „Unmöglich". Dennoch hatte Lees Wort einen so großen Einfluss, dass am Ende eine Gesetzesvorlage verabschiedet wurde, nachdem die Einberufung von Schwarzen in der Armee möglich war. Virginia war jedoch der einzige Staat, der davon Gebrauch machte, und dass, ohne den Sklaven vorher die Freiheit zu schenken. Allerdings wurden nur zwei Kompanien in Richmond aufgestellt, die schließlich nicht mehr zum Einsatz kamen.


So musste Lee sich weiter mit einer Anzahl von 55000 Soldaten begnügen, die zudem noch durch ständige Desertionen verringert wurde. Grant standen hingegen 120000 Soldaten zur Verfügung und es war bis zum entgültigen Sieg nur noch eine Frage der Zeit. Der Unionsgeneral musste aber aus zwei Gründen schnell handeln. Zum einen wollte er nach der langen Belagerung von Petersburg den Feind allein bezwingen, da er den Ruhm bei einer Unterstützung durch Shermans Armee hätte teilen müssen. Zum anderen befürchtete Grant, dass Lee sich angesichts der aussichtslosen Lage zurückziehen würde, um sich in North Carolina zusammen mit Johnston gegen Sherman zu stellen. Insbesondere seine letzte Befürchtung bewahrheitete sich. Tatsächlich hatte Lee vor, seine Stellungen vor Peterburg zu verlassen, um nicht eingekesselt zu werden. Das war aber nicht so einfach, da die Konföderierten an allen Stellen von der feindlichen Linie kontrolliert wurden. Diese Linie musste daher zunächst durch Angriffe an einem bestimmten Punkt verkürzt werden. Dazu gab Lee General Gordon den Befehl, falsche Deserteure nach Fort Stedman zu schicken, die die Wachen zunächst überwältigen sollten, was dann in der Nacht vom 24. zum 25. März auch geschah. Die nachfolgenden Divisionen fielen daraufhin in das Fort ein und konnten so einige Batterien und mehrere Kilometer Schützengräben erobern.


Lange blieb die Freude über diesen scheinbar grandiosen Sieg aber nicht erhalten, denn die Yankee starteten sogleich einen Gegenangriff und eroberten nicht nur alles wieder zurück, sondern machten zudem auch noch viele Gefangenen. Bei dem blutigem Gefecht verloren ca. 5000 konföderierte Soldaten ihr Leben. Lees Plan, die Unionslinie zu verkürzen war damit gescheitert und seine eigene Linie musste er außerdem noch weiter ausdehnen. Jetzt holte Grant zum Gegenschlag aus. Am 29. März befahl er einem Infanteriekorps und Sheridans Kavallerie den Angriff auf den rechten Flügel der Konföderierten. Lee schickte daraufhin dem Feind zwei Divisionen entgegen, die unter dem Kommando von General George Pickett standen. Am 31. März kam es daraufhin zu schweren Gefechten, wodurch die Yankees zunächst aufgehalten wurden. Am Folgetag jedoch, konnten die Konföderierten an der Straßenkreuzung Five Forks in einem beherzten Sturmangriff bezwungen werden. Zwar hielt sich der Kampfeswille der Yankees zunächst in Grenzen, nachdem Sheridan seine Soldaten aber zu größerer Aggressivität angetrieben hatte, brachen Picketts Divisionen zusammen. Viele ergaben sich dem Feind, andere zogen die Flucht vor.


General Lees Armee, durch Fahnenflucht schon arg dezimiert, war damit um zwei weitere Divisionen geschrumpft. Grant nutzte diese Chance und befahl am 2. April einen weiteren Sturmangriff, diesmal auf der gesamten Linie. Vom Erfolg des Vortages beflügelt, griffen die Yankees im Morgengrauen die feindlichen Stellungen südwestlich von Petersburg an. Im laufe des Tages wurde die Linie der Konföderierten teilweise durchbrochen und vielen Soldaten blieb nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Jetzt sah Lee ein, dass er sich mit seinen restlichen Truppen zurückziehen musste. Damit war die Hauptstadt Richmond nicht mehr geschützt und für den Einmarsch der Yankees freigegeben. Was jetzt folgte, war eine Fluchtwelle wie in Atlanta. Alles, was nicht niet und nagelfest war und getragen werden konnte, wurde mitgenommen. Alles andere wurde verbrannt, insbesondere das, was militärischen Wert hatte. Für diese Aktionen war die Armee zuständig. Als die jedoch in der Nacht abzog, legten die Bürger, die es mit ihrer Flucht noch nicht so eilig hatten, fast die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Am nächsten Morgen hatten die einmarschierten Yankees alle Hände voll zu tun, die Feuer zu löschen. Und die Feuer mussten so schnell wie möglich gelöscht werden, denn es gab einen, der es sich nicht nehmen lassen wollte, durch die Straßen von Richmond zu gehen und das Arbeitzimmer von Jefferson Davis zu betreten. Es war Abraham Lincoln. Umgeben von zehn Beschützern, wurde er auf seinem Weg von den zurückgebliebenen Sklaven umjubelt. "Glory, Glory, Hallelujah" sangen sie, einige versuchten den Präsidenten zu berühren und wieder andere sanken vor ihm auf die Knie.


Noch am gleichen Tag wurde auch Petersburg besetzt und die beiden wichtigsten Städte des Südens waren damit in der Hand der Union. Grant ruhte sich aber nicht auf seinen Lorbeeren aus. Statt dessen nahm er sogleich die Verfolgung von Lees Armee auf, um deren Fluchtweg abzuschneiden und die Zusammenkunft mit Johnstons Armee zu verhindern. Lee hatte damit kaum noch eine Chance, der Niederlage zu entgehen, dazu war Grants Armee viel zu stark. Am 9. April kam es infolgedessen zur Kapitulation der Südstaaten-Armee.



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Lewis und Clark Seite 4 Aufbruch in den Westen