Die Plummerbande

Nachdem am 26. Mai 1863 in Montana eine Gruppe von Prospektoren (Männer, die berufsmäßig Fundstellen von Edelmetall suchen) eine riesige Goldader in der Alder Gulch gefunden hatte, entstanden innerhalb weniger Wochen neue Städte in diesem Gebiet.  Neben der schon bestehenden Stadt Bannack, die ca. 113 Kilometer von der Alder Gulch entfernt war, sprießen plötzlich Städte wie z. B. Virginia City und Nevada City aus dem Boden. In kürzester Zeit strömten viele tausend Menschen in die Alder Gulch um dort ihr Glück zu suchen. Die meisten Männer und Frauen waren Gesetzestreu und versuchten durch harte Arbeit zu schnellem Reichtum zu kommen. Aber wie so oft, zog der durch das Gold hervorgerufenen Reichtum auch viele finstere Gestalten an. In dem Gebiet zwischen Bannack und Virginia City entwickelte sich eine Kriminalität, die es bis zu diesem Zeitpunkt im Wilden Westen noch nicht gegeben hatte: Die organisierte Kriminalität. In diesem Zusammenhang machte ein Mann von sich reden, der bereits zweimal wegen Mordes im Gefängnis saß. Das erste mal wurde er nach neun Jahren entlassen und beim zweitenmal gelang ihm die Flucht. Sein Name war Henry Plummer. Als er im Herbst 1862 in Bannack ankam, traf er auf viele seiner ehemaligen Zellengenossen, so z. B. auf den Saloon-Besitzer Cyrus Skinner. All diese Männer waren in der Lage, ein neues Leben zu beginnen, obwohl sie eine Menge auf dem Kerbholz hatten. Aber durch die weite des Landes und der mangelnden Nachrichtenverbindung war es für sie einfach, ihre Vergangenheit geheimzuhaltend. Henry Plummer war energisch, hatte ein gutes Durchsetzungsvermögen und trat nach außen mit guten Umgangsformen auf. Da die meisten Menschen darüber hinaus nichts anderes im Sinn hatten, als die Suche nach Gold, gab es bei der Wahl des neuen Sheriffs kaum Anwärter.


Aus diesem Grunde gelang es Henry Plummer dann tatsächlich, Sheriff vom Beaverhead County zu werden. Seine erste Amtshandlung war sogleich die Ernennung seiner Stellvertreter, zwei ehemaligen Zellengenossen. Danach gründete er eine Bande, die sich "Die Unschuldigen" ("The Innocents") nannte. Die Mitglieder hatten überall ihre Hand im Spiel. In den Saloons, den Bordellen und zwischen den Claims der Goldsucher. Die Bande wurde von Plummer mit militärischer Ordnung geführt. So gab es z. B. "Offiziere", "Unter-offiziere", Kuriere und Spitzel. Durch seine guten Umgangsformen und seiner Geschicklichkeit gelang es Plummer, sich bei einflussreichen Bürgern beliebt zu machen. Nur die Aufnahme bei den Freimaurern, dessen Mitglieder ebenfalls aus einflussreiche Personen bestanden, gelang ihm nicht. Während dieser Zeit häuften sich die Überfälle auf Postkutschen und Goldtransporte, die alle von der Plummer-Bande verübt wurden. 100 bis 120 Menschen - so die Schätzung - sollen dabei getötet worden sein. Plummer plante seine Überfälle vom Sheriff-Büro aus.


Er sammelte Informationen über Goldfunde und Transporte und teilte seine so genannten "Road Agents" für die einzelnen Überfälle ein. Niemand ahnte zunächst etwas von seiner wahren Identität. Wer ihn doch verdächtigte und als Zeuge hätte aussagen können wurde umgebracht. So konnte sich die Bande sicher fühlen, da das nächste Bundesgericht über 640 Kilometer entfernt war. Auf Ewig blieb die Identität der Plummer-Bande allerdings dennoch nicht verborgen. Im Dezember 1863 ermordete ein gewisser George Ives den Deutschen Nicholas Tiebalt wegen 200 Dollar und zwei Maultieren. Daraufhin wurde Ives von aufgebrachten Männern nach Nevada-City gebracht und dort vor ein Goldgräbergericht gestellt. Ives wurde verurteilt und am 21. Dezember aufgehängt. Das war die Geburtsstunde der "Vigilanten von Montana". 25 Bürger hielten noch am selben Tage eine Gründungsversammlung ab. Ihr Anführer war John Xaver Beidler. Dann brachen die Vigilanten auf, um in der Alder Gulch nach weitere Bandenmitglieder zu suchen. Dabei fanden sie einen Brief, der auf die Identität von Henry Plummer als Bandenchef hinwies. Nachdem weitere Bandenmitglieder gefunden und hingerichtet wurden, ging es Plummer an den Kragen. Die mangelnde Nachrichtenverbindung, die Plummer bisher vor der Aufdeckung seiner wahren Identität bewahrte, wurde ihm jetzt zum Verhängnis. Er erfuhr zu spät von dem Aufstand der Bürger, und so standen diese am 10. Januar 1864 vor seiner Hütte und exekutierten ihn und seine Hilfssheriffs. In den folgenden sechs Wochen wurden noch weitere Bandenmitglieder gefangen genommen und gehängt. Da sich nach Henry Plummer die Kriminalität wieder in Grenzen hielt, lösten sich schließlich die "Vigilanten von Montana" schnell wieder auf.




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