Der Goldrausch

Als am 24. Januar des Jahres 1848 der Zimmermann James W. Marshall am American River in Kalifornien beim Bau einer Sägemühle Gold fand, war einige Zeit später der Zustrom  der Menschen-massen in dieses Gebiet nicht mehr zu halten. Der Besitzer der Sägemühle John Augustus Sutter versuchte zunächst, den Goldfund geheim zu halten, da er eine "Invasion" von Goldsuchern auf seinen Besitz befürchtete. Sutter, der 1803 in der Schweiz geboren wurde, hatte an der Pazifikküste ein 20000 Hektar großes Gut aufgebaut, auf dem sich seine Farmen, Handelsposten und Ranches befanden. Die Geheimhaltung hielt aber nicht lange stand. In San Francisco hörte man zuerst von dem Goldfund. Sämtliche Geschäfte und Schulen wurden geschlossen, und Jedermann legte die Arbeit nieder. Selbst Matrosen und Soldaten begingen Fahnenflucht nur um Gold zu suchen. In kürzester Zeit wurde San Francisco zur Geisterstadt.


Schon einige Monate später verbreitete sich die Nachricht im ganzen Land. Zwar war man Anfangs noch skeptisch, als aber der Präsident die Nachricht vom Gold bestätigte, kam es zur größten Westwanderung, die die USA je erlebt hatte.


Viele tausend "Forty-niner" - so nannte man später diese Goldgräber - fuhren mit dem Schiff um das Kap Horn oder bis nach Panama, von wo es dann zu Fuß oder mit dem Wagen weiterging. Andere durchquerten die Prärie und die Rocky Mountains, um die Fundstellen zu erreichen. Gerade die letzte Route erwies sich aber als besonders beschwerlich, und für viele auch tödlich, da es 1849 ununterbrochen geregnet hatte, und zudem auch noch die Cholera ausbrach. Inzwischen gab es eine große Anzahl von Fundstellen, die sich über ganz Kalifornien erstreckten. Als die "Forty-niner" ihr Ziel erreicht hatten, war die Enttäuschung in den meisten Fällen sehr groß, da viele Claims schon abgesteckt waren, und überdies der einzelne Mann erst gar nicht zu dem Reichtum kommen konnte, wie er es erhofft hatte. Das lag nicht daran, dass es kein Gold in ausreichender Menge gab, der Einzelne besaß einfach nicht das nötige Kapital, um Gold im großen Stil zu schürfen. So schlossen sich mehrere Goldgräber zu Organisationen zusammen, um die Abbaumethoden verwirklichen zu können.


Über Nacht schossen Goldgräberlager und Städte aus dem Boden, die zunächst nur aus einfachen Bretterbuden und einer Straße bestanden. Später wurden Spielhöllen und Saloos errichtet, in denen die Goldgräber den größten Teil ihrer Freizeit verbrachten. Saloonbesitzer, Spieler und Prostituierte gehörten zu denen, die indirekt am Goldboom verdienten. Insbesondere die Händler, die die Goldgräber mit Lebensmittel und Ausrüstungsgegenstände belieferten, verdienten sich mit ihren überhöhten Preisen eine goldene Nase. In den Goldgräberlagern herrschte das Chaos. Schmutz und unhygienische Verhältnisse lösten Krankheiten aus, denen viele Menschen nicht gewachsen waren. Banditen, die in den Camps ihr Unwesen trieben, wurden notfalls mit Waffengewalt bekämpft. Auseinandersetzungen mit Schusswaffen waren an der Tagesordnung.


Bis 1852 stieg die Bevölkerungszahl in Kalifornien von 20000 auf 100000 Einwohner. Im Laufe der Zeit verdrängten Bergbaugesellschaften die "Forty-niner". Diese Großminen waren mit ihren technischen Geräten nun in der Lage, Gold im großen Stil abzubauen. So erwirtschafteten sie allein im Jahre 1852 über 81 Millionen Dollar. Vom ersten Goldfund 1848 bis zum Jahre 1855 wurde in San Francisco Gold im Wert von 345 Millionen Dollar umgesetzt. Der einst so kleine Ort, entwickelte sich zu einer Großstadt mit 55000 Einwohner. Kalifornien war aber nicht das einzige Territorium, in dem Gold gefunden wurde. So zogen die Goldgräber weiter nach British-Columbia, anschließend nach Idaho und schließlich nach Montana. Aber auch im Südwesten der USA, insbesondere in Arizona wurde Gold und Silber gefunden. Hier entstanden Städte wie Cila-City, Tombstone und Tucson, dem Zentrum der Goldsucher. In all diesen Städten war das Verbrechen an der Tagesordnung. Eine der ergiebigsten Goldadern fand man in den Washoe Mountains in Nevada. In 20 Jahren schürfte man hier aus der berühmten Comstock Lode Gold und Silber im Werte von 300.000.000 Dollar. Auch hier entstanden so berühmte Städte wie Nevada-City und Virginia City.


Eine weitere Goldader entdeckte man am South Platte River in Colorado nördlich von Pike´s Peak. Hier wurde später die Stadt Denver gegründet. In den folgenden 20 Jahren durchstreiften die Goldgräber weiter den Wilden Westen, immer auf der Suche nach Gold. Überall, wo sie es fanden, gründeten sie Siedlungen, aus denen später Städte entstanden.

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