Ulysses Simpson Grant

Ulysses Simpson Grant wurde am 27. April 1822 in Point Pleasant, Ohio als Sohn des Gerbers Jesse Root Grant und dessen Frau Hannah Simpson geboren. Als sein Vater 1823 seinen Betrieb nach Georgetown, Ohio, verlegte, zog die achtköpfige Familie - Grant hatte noch 5 Geschwister - dort hin. Hier genoss er seine erste schulische Ausbildung. Da es aber an qualifizierten Lehrern mangelte, waren seine schulischen Leistungen mehr als mäßig. Auch als er zwischen 1836 und 1837 die Schule von "Richeson and Rand" in Maysville, Kentucky, und 1838 die "Presbyterian Acadamy of Ripley" in Ohio besuchte, waren seine Noten nicht besonders gut. Grants zweiter Vorname war eigentlich nicht Simpson, sondern Hiram. Für diesen Namen schämte er sich ein wenig. Als sein Vater ihn zur Militärakademie in West Point anmeldete, fürchtete er den Spot seiner Kameraden. In West Point jedoch musste er feststellen, dass ein Beamter auf der Rekrutenliste versehentlich den Namen Simpson gesetzt hatte. Da das amtliche Dokument aber nur schwer zu ändern war und Grant keine Einwende hatte, belies man den Namen auf der Liste. Von nun an hieß er U. S. Grant und schon hatte er seinen Spitznamen weg: Uncle Sam, oder kurz Sam.


Wie man es von Grant gewohnt war, hielten sich auch in West Point seine schulischen Leistungen in Grenzen. Er gehörte nicht zu den Rekruten, die die Ansicht vertraten: Ach, wie schön ist es, Soldat zu sein. Er hatte einfach keine Lust, ein solcher zu werden. Statt dessen wollte er später als Mathematikprofessor unterrichten, und dazu reichte es ihm, sich durch die Kurse zu mogeln. Im Juni 1843 schloss er die Akademie als 21er von 39 ab, was man bei seinem mangelnden Interesse als noch zufriedenstellend bezeichnen kann.


Während seiner Stationierung bei der 4th U.S. Infanterie in Jefferson Barracks in St. Louis, Missouri, lernte er seine spätere Frau Julia Boggs Dent kennen, die er am 22. August 1848 in Saint Louis heiratete. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.


Seine ersten Kriegserfahrungen sammelte Grant im mexikanischen Krieg von 1846 bis 1848. Hier kämpfte er unter dem Kommando von General Zachary Taylor, den er wegen seiner rauen und unkonventionellen Art bewunderte. So nahm er an den Schlachten in Palo Alto, Resaca de la Palma und Monterey teil. Im Jahre 1847 diente er unter General Winfried Scott. Nach den Kämpfen in Veracruz, Cerro Gordo, Contreras, Churubusco und Molino del Rey wurde er zunächst vom 2. zum 1. Lieutenant befördert, anschließend zum Captain.


Als Grants Regiment im Jahre 1852 nach Fort Vancouver am Columbia River versetzt wurde, durfte er seine Familie nicht mitnehmen. Im Gegensatz zu General Zachary Taylor verstand er sich hier mit seinem jetzigen Kommandeur Colonel Robert Buchanan überhaupt nicht. Um seinen spärlichen Sold aufzubessern, versuchte er es mit der Rinderzucht, was ihm aber misslang. All diese negativen Dinge machten ihn depressiv und er begann zu trinken. Ob der Alkoholgenuss so übermäßig war, dass man ihn als Alkoholiker bezeichnen konnte, ist jedoch bis heute nicht bekannt. Nach einem Streit mit Buchanan hatte Grant genug vom Militärdienst. So verließ er die Armee am 2. Juni 1854 und ging zu seiner Familie zurück.


Hier sollte sich jedoch zeigen, dass das Leben als Privat- bzw. Geschäftsmann für ihn nicht das Richtige war. Zunächst versuchte er es vier Jahre lang als Farmer in Missouri, jedoch ohne Erfolg. Danach ging er nach St. Louis und wurde Immobilienmakler, auch ohne Erfolg. Schließlich versuchte er es in Galena, im Lederwarengeschäft seines Vaters. Das war 1860 und Grant hatte sich bis dahin nicht für Politik interessiert. Als es aber 1861 zur Sezession kam, entschied er sich sofort für die Union. Erst jetzt erkannte er, dass seine wahre Berufung das Soldatenleben war.


Am 24. Mai 1861 bewarb er sich um den Posten eines Regimentskommandanten. "Ich halte mich für kompetent genug, ein Regiment zu befehligen", stand u. a. in dem Bewerbungsschreiben. Auf dem Schreiben erhielt er zwar keine direkte Antwort, dennoch wurde er wieder in die Armee aufgenommen und übernahm als Brigadegeneral die Führung des 2. Illinois Regiments.


Nachdem Grant am 7. August 1861 zum Brigadegeneral befördert wurde, hatte er seinen ersten wichtigen Einsatz im September 1861. Als die Truppen von General Leonidas Polk am 3. September in Kentucky einmarschierten, um die Stadt Columbus zu besetzen, nahm Grant im Gegenzug die Städte Pacutah und Smithland - ebenfalls in Kentucky - ein. Beide Städte lagen an den Mündungen der strategisch wichtigen Flüsse Tennessee und Cumberland. Die Bevölkerung in Kentucky war daraufhin zweigeteilt. Während sich die einen für die Konföderation entschieden, schlug das Herz der anderen für die Union. Was folgte, war ein Bruderkrieg im wahrsten Sinne des Wortes.


Von weniger Erfolg gekrönt war eine Schlacht, die ca. zwei Monate später stattfand. Grant sollte ein Lager der Konföderierten angreifen, das sich in der Nähe der Stadt Belmont, Missouri befand. Die zahlenmäßige Stärke beider Kriegsparteien war gleich und Grants Truppen konnten den Gegner Anfangs auch zurückdrängen. Später jedoch konnten die gegnerischen Truppen durch Einheiten aus Columbus verstärkt werden, so dass Grants Soldaten eingekesselt wurden. Zwar konnten sie sich aus der Umklammerung befreien, aber nicht ohne hohe Verluste.


Seinen ersten großen Erfolg konnte Grant bei der Einnahme von Fort Henry (06. 02. 1862) und Fort Donelson (16.02.1862) verbuchen, die am Tennessee River bzw. am Cumberland River lagen. Während Fort Henry fast kampflos eingenommen wurde, war Fort Donelson schon schwerer zu "knacken". Während Kanonenboote, die unter dem Kommando eines gewissen Commodore Andrew Hull Foote standen, das Fort vom Cumberland River aus bombardierten, wurde es von Landtruppen eingekesselt. Zwar schossen die Kanonen beim ersten Versuch über das Ziel hinaus, am Ende jedoch mussten sich die konföderierten Generäle ergeben. Viele ergriffen die Flucht, nur einer - General Simon B. Buckner - stellte sich den Kapitulationsbedingungen. Für die Nordstaaten war dieser Erfolg ein strategisch wichtiger Sieg. Ein Grossteil der konföderierten Truppen in Tennessee und Kentucky war geschlagen. Wichtige Verbindungslinien wie die der beiden Flüsse Tennessee und Cumberland und der Eisenbahn standen nun unter der Kontrolle der Union. Grant wurde dafür am 17. Februar 1862 zum Oberbefehlshaber der Freiwilligen Armee befördert.


Im März 1862 gab der neue Befehlshaber aller Unionstruppen, General Halleck, Grant den Befehl, seine 30000 Soldaten nach Pittsburgh Landing am Tennessee zu verlegen, das ca. 32 Kilometer von Corinth entfernt war. In Corinth befand sich ein Eisenbahnknotenpunkt der wichtigsten Nord-Süd und Ost-West Bahnlinien, und Grant sollte diesen Knotenpunkt erobern. Außerdem sollte er noch von General Don Carlos Buell unterstützt werden, der mit seinen 50000 Soldaten von Nashville aus ebenfalls auf dem Weg nach Pittsburgh Landing war.


Corinth wurde von 42000 konföderierte Soldaten gehalten, die unter dem Kommando von General Albert Johnston standen. General Beauregard war sein stellvertretender Kommandant. General Buell ließ sich aber mit seinen Marsch nach Pittsburgh Landing sehr viel Zeit, und auch Grant hatte keine Eile, die erste Vordivision dorthin zu schicken, als diese in seinem Hauptquartier Savannah ankam, das ca. 15 Kilometer von Pittsburgh Landing entfernt lag. Er war so sehr mit seinen eigenen Angriffsplänen beschäftigt, dass er gar nicht daran dachte, dass auch der Gegner einen Angriffsplan haben könnte. Er war sich sicher, dass die Offensive von ihm aus gehen würde.


Johnston und Beauregard beobachteten die feindlichen Truppenbewegungen jedoch sehr genau und waren daher fest entschlossen, Grant mit einem Angriff zuvor zukommen, noch bevor Buell Pittsburgh Landing erreichen würde. Grant Verhalten war zu diesem Zeitpunkt nicht gerade so, wie man es für einen guten General erwarten würde. Dennoch hatte er Glück. Missverständliche und ungenaue Befehle der gegnerischen Generäle, sowie starke Regenfälle, die die Flüsse überlaufen ließen und die Straßen in Morast verwandelten, waren Schuld daran, dass sich der Abmarsch um 12 Stunden verschob. Als es dann am 06. April losging, konnten die Konföderierten in der Schlacht bei Shiloh - der Name leitet sich von einer Kirche ab, die Shilohkirche genannt wurde - noch einige Erfolge verbuchen. Was folgte, war eine grausame Schlacht an einem Ort, der später wegen der surrenden Geschosse "Hornissennest" genannt wurde. Der Kampf war so grausam, dass sich ein Großteil seiner Soldaten angesichts ihrer Erlebnisse weigerte, erneut anzugreifen.


Erst Johnston konnte sie durch seine ruhige Art zu einem weiteren Angriff überreden. Mit aufgepflanztem Bajonetten stürmten sie daraufhin gegen den Feind, der dabei zwar etwas zurückgedrängt, letztendlich aber dennoch nicht überrannt werden konnte. Ein gewaltiger Kugelhagel hielt die konföderierten Soldaten davon ab, und Johnston selber erhielt dabei eine tödliche Schusswunde am Bein. Zwar konnten die Yankees an diesem Tag noch zurückgedrängt werden, aber Buells Zögerlichkeit war nun ein Glücksfall. Denn dieser besaß noch frische Truppen, so dass am folgenden Tag, dem 07. April, ein erfolgreicher Angriff auf das Lager der Konföderierten gestartet werden konnte. Nun musste Beauregard, der Johnstons Kommando übernommen hatte, den Befehl zum Rückzug nach Corinth geben, und am Ende war die Schlacht für die Union gewonnen.


So hoch Grant auch nach der Einnahme von Fort Henry und Fort Donelson gelobt wurde, diesmal hagelte es Kritik. Denn die Zahl der Opfer auf Seiten der Union, war fast genauso hoch wie auf Seiten der Konföderation. Das ging soweit, dass man Grant vorwarf betrunken gewesen zu sein. Nur Präsident Lincoln hielt zu ihm. Er war von Grants Fähigkeiten überzeugt. So wurde er im Oktober 1862 zum Oberbefehlshaber des Staates Tennessee ernannt.


Dann wurde er von Lincoln mit einer weiteren Aufgabe betraut. Er sollte die Stadt Vicksburg einnehmen, die im Südwesten von Mississippi lag. Für dieses Vorhaben startete er eine Vielzahl von Versuchen und er benötigte ca. 8 Monate, bis er die Stadt schließlich am 04. Juli 1863 einnehmen konnte. Grands erster Plan - im Dezember 1862 - sah vor, Shermans Soldaten über den Mississippi nach Vicksburg zu bringen, parallel zu seinen eigenen auf dem Landweg. Am Ziel könnte die Stadt dann von zwei Seiten angegriffen werden.


Während Sherman Vicksburg ohne Probleme erreichte, wurde Grand von konföderierten Truppen ständig sabotiert. Unter dem Kommando des konföderierten Generals Nathan Bedford Forrest wurden Telegraphendrähte zerschnitten und Bahngleise zerstört, beides Dinge, die für die wichtige Versorgung der Unionstruppen unabdingbar waren. Als dann auch noch das Versorgungslager in Holly Springs von General Earl Van Dorn vernichtet wurde, entschloss sich Grant für einen Abbruch der Invasion. Sherman, der davon nichts mitbekam, konnte alleine gegen die Verteidiger in Vicksburg nichts ausrichten, so dass er nach einem verlustreichen Gefecht am 29. Dezember 1862, ebenfalls zum Rückzug blasen musste.


Von Januar bis März 1863 startete Grant mehrere weitere Versuche, die Stadt zu nehmen. Als Ausgangspunkt für eine Invasion entschied er sich dabei für ein erhöhtes Gelände östlich von Vicksburg, das nahezu frei von Sümpfen und Morast, und für militärische Oparationen gut geeignet war. Sein Problem war nur, dort hinzukommen. Denn er musste nicht nur seine Armee, sondern auch seine schwere Artillerie und genügend Nachschub über den Fluss bringen. Wie oben schon erwähnt, startete er mehrere Versuche und alle waren zum scheitern verurteilt. Mal wollte er mit seinen Kanonenboote einen Kanal benutzen, der von Sherman fertiggestellt werden sollte. Zu starkes Hochwasser machten dieses Vorhaben aber unmöglich. Dann wollte er eine Route nehmen, die durch das Sumpfgebiet von Louisiana führte. Nachdem er einen Deich sprengen ließ, dauerte die Befreiung der Flüsse von störendem Schlamm aber zu lange, so dass auch dieses Projekt aufgegeben werden musste.


Bei einem weiteren Versuch wurden zwei andere Wasserwege benutzt, die im Norden von Vicksburg durch das Yazoodelta führten. Der dichte Urwald in diesem Gebiet verhinderte aber ein Vorankommen der Kanonenboote, so dass die Flotte auch hier ihren Rückzug antreten musste. Parallel zu diesem Manöver hatten Kommandant David Dixon Porter und General Sherman die gleichen Probleme mit einem Sumpfgebiet. Auch hier gab es keine Durchkommen. Außerdem wurden sie von konföderierten Truppen angegriffen. Zwar konnte der Angriff abgeschlagen werden, dennoch konnte der Rückzug nicht verhindert werden.


Damit war es Grand ein weiteres mal nicht gelungen, Vicksburg zu nehmen. Außer Soldaten, die durch allerlei Krankheiten wie Typhus und Ruhr ihr Leben lassen mussten, hatten die ganzen Aktionen nichts gebracht. Wieder wurde ihm unbeherrschte Trunksucht nachgesagt und wieder stand Präsident Lincoln hinter ihm. Aber Grant ließ sich von der Meinung seiner Kritiker sowieso nicht beeindrucken.


In der Nacht des 16. April 1863 fuhr die Unions-Flotte unter Kommandant David Dixon Porter den Mississippi leise flussabwärts. Ziel war eine Stelle unterhalb von Vicksburg. Hier sollten Grants Soldaten, die an der Westseite des Mississippi bis zu dieser Stelle marschiert waren, vom West- zum Ostufer übergesetzt werden. Nach einem Ablenkungsmanöver mit einigen kleineren Gefechten, gelang dieses Vorhaben am 01. Mai 1863. Anschließend marschierten Grants Soldaten aber nicht direkt auf Vicksburg zu. Statt dessen sollten die Generäle McPherson und Sherman die Stadt Jackson einnehmen, um die Versorgung von Vicksburg zu unterbrechen. Am 14. Mai starteten beide Generäle einen Frontalangriff gegen 6000 konföderierte Soldaten, die sich in den Schützengräben vor Jackson verschanzt hatten. Dank der Übermacht hatten sie ein leichtes Spiel, den Feind aus der Stadt zu vertreiben. Erst danach marschierten sämtliche Unionstruppen auf Vicksburg zu.


General John C. Pemberton, der für die Verteidigung Vicksburgs zuständig war, sah seine einzige Chance die Stadt zu retten darin, dem Gegner schon weit vor der Stadt entgegenzutreten. Am 16. Mai kam es daraufhin bei Champion´s Hill, das auf halbem Wege zwischen Vicksburg und Jackson lag, zu einer Schlacht, die Pemberton verlor, so dass sich seine Soldaten in ihren Schützengräben wieder zurückziehen mussten. Grant versuchte daraufhin durch weitere Angriffe, den Gegner entgültig zu schlagen bzw. zu vertreiben. Vicksburg war aber zu gut befestigt und die Konföderierten hielten dem Druck stand. Also blieb Grant nichts anderes übrig, als die Stadt zu belagern. Aus einer Woche, die Grant eingeplant hatte wurden sechs Wochen. In dieser Zeit stand die Stadt jeden Tag unter Beschuss.


Am 1. Juli kam General Pemberton zum Schluss, dass die Kapitulation das Beste sei. Seine eigenen Soldaten hatten ihm in einem Brief mit Meuterei gedroht, wenn er nicht endlich aufgeben würde, was immer noch besser wäre, als die Schmach der Fahnenflucht. So wurde am 04. Juli 1863 die Stadt Vicksburg an die Union übergeben. Einige Tage später wurde unter ähnlichen Bedingungen auch Port Hudson eingenommen. Dank Grant, hatte die Union den wichtigsten strategischen Sieg errungen. Von nun an stand der Mississippi unter der Kontrolle der Yankees.


Nach der Schlacht am Chickamauga am 19. und 20. September 1863 hatten die vorgerückten Unionstruppen unter General Rosecrans panikartig die Flucht zurück nach Chattanooga (Tennessee) ergriffen. Auch General Thomas hatte mit seinen Soldaten in der Stadt Zuflucht gesucht, allerdings nach einem geordneten Rückzug. Was folgte, war eine Belagerung der Stadt durch den konföderierten General Braxton Bragg. Dazu stationierte dieser seine Soldaten auf dem Lookout Mountain im Süden und auf dem Missionary Ridge im Osten der Stadt, sowie an den Flüssen im Westen, womit die Nachschublinie für Proviant blockiert war.


Grants erste Amtshandlung in dieser Angelegenheit war die Absetzung von General Rosecrans. Sein Nachfolger wurde General Thomas. Danach betraute er Sherman mit der Aufgabe, eine neue Nachschubroute zu öffnen, die bei Bridgeport ihren Anfang hatte. Dazu wurde zunächst eine Einheit der Konföderierten ausgeschaltet, die an der Route bei Brown´s Ferry stationiert war. Nach ca. einer Woche konnte der Transport von Lebensmittel über diese Route beginnen. Da der nahrhafte Zwieback ein Hauptnahrungsmittel war, wurde die Route von den Soldaten "cracker line" genannt. Dann, am 24. November, erfolgte der eigentliche Angriff. Während Sherman und General Hooker jeweils die gegnerischen Fronten angreifen sollten, hatte Thomas den Befehl, die Front nur zu bedrohen, um den Gegner von den eigentlichen Angriffen abzulenken. In der Folgezeit zeigte sich jedoch, dass der Flankenangriff von Sherman und der weitere Vorstoß von Hooker nicht so erfolgreich waren, wie Grant es sich gedacht hatte. Also entschied er sich doch noch für einen Frontalangriff durch General Thomas. Es sollte aber nur ein begrenzter Sturmangriff sein. Aus dem begrenzten Sturmangriff wurde dann aber ein ungeschützter Aufmarsch von 25000 Soldaten auf einer drei Kilometer breiten Linie gegen die Stellungen vor dem Missionary Ridge. Dieser Aufmarsch beeindruckte die konföderierten Truppen so sehr, dass sie panikartig die Flucht ergriffen. Was blieb, waren aber immer noch Soldaten auf dem Missionary Ridge, die nun eine gute Schussposition hatten. Aber Thomas ließ sich auch dadurch nicht beirren. Er setzte den Vormarsch fort und ließ seine Soldaten den Berg hinaufstürmen. Eigentlich ein Befehl für ein Selbstmordkommando, so dachte auch Grant. Und so war es nicht verwunderlich, dass Grant nicht glauben wollte, was er da sah. Genauso ging es aber auch den Konföderierten. Der Anblick der entschlossenen Yankees versetzte sie so in Panik, dass sie auch hier ihre Stellungen verließen und die Flucht ergriffen.


Wieder konnte General Grant einen Erfolg für sich verbuche und für die Konföderierten war es bis dahin die schlimmste Niederlage im Bürgerkrieg. General Bragg reichte drei Tage nach der Schlacht sein Rücktrittsgesuch eine.


Während sich Präsident Lincoln nach der Einnahme von Vicksburg noch in einem Brief bei Grant bedankte, schüttelte er ihn nach diesem Sieg in Washington persönlich die Hand. Grant wurde nun zum Oberbefehlshaber der gesamten Unionsarmeen und gleichzeitig zum Generallieutenant ernannt. Kaum hatte Grant sein Amt erhalten, schmiedete er auch schon neue Kriegspläne, nach denen die einzelnen Armeen an den verschiedensten Fronten koordiniert vorgehen sollten. Der Feind sollte an allen Fronten gleichzeitig beschäftigt werden, um eine gegenseitige Unterstützung zu unterbinden. Er wollte seinen Armeen in Zukunft keine Ruhepause mehr gönnen. Für dieses Vorhaben setzte er die Generäle Sherman, Banks, Sigel und Butler ein. General Sherman, der die nach Georgia geflüchtete konföderierte Armee schlagen sollte, hatte zu einem späteren Zeitpunkt mit seinem Vorhaben Erfolg. Die Missionen der anderen drei Generäle jedoch, waren alle zum scheitern verurteilt. General Grant selber wollte aber auch nicht untätig bleiben. Er hatte vor, sich mit General Meade, dem Befehlshaber der Potomac-Armee, zwischen Washington und Richmond in Virginia zu treffen, um direkt gegen General Lee vorzugehen.


Was folgte, war die Schlacht in der Wilderness am 5. und 6. Mai 1864, bei der es sich am Ende zeigen sollte, dass Grant mit General Lee einen ebenbürtigen Gegner vor sich hatte. Trotz Grants zahlenmäßige Überlegenheit (120000 zu 64000 Soldaten) und mehrere Angriffsversuche musste er schließlich einsehen, dass er keine Chance hatte, den Feind zu schlagen. Zwei Dinge waren dafür ausschlaggebend: Lees bessere Ortskenntnisse und das undurchdringliche Gelände in der Wilderness. Weder Grant noch Lee hatten es geschafft, sich gegenseitig auszuschalten. Grant ließ sich dennoch nicht entmutigen. Während seine Vorgänger angesichts der vielen Toten die Flucht nach hinten ergriffen hätten, schmiedete er schon wieder neue Pläne für die nächsten Tage.


Sein nächstes Ziel war das Dorf Spotsylvania. Auch hier hatte er es mit General Lee zu tun und auch hier war sein Widersacher nicht zu schlagen. Dazu war das Dorf viel zu gut befestigt. Die Schlacht tobte zwischen dem 08. und 12. Mai 1864. Zwar konnte die Linie am 10. Mai an einer Stelle durchbrochen werden, nach einem Gegenschlag der Konföderierten mussten sich die Yankees aber wieder zurückziehen. Die gleiche Situation bot sich am 12. Mai. Wieder konnte die Linie durchbrochen werden und wieder mussten sich Grants Soldaten nach einem Gegenschlag zurückziehen, diesmal in ihren eigenen zuvor gegrabenen Schützengräben. Was folgte, war eine Schlacht, die als "Bloody Angle of Spotsylvania" bezeichnet wurde, da ein Gemisch aus Blut und Regen den Boden in eine schlammige Brühe verwandelte. Die Schlacht endete so wie in der Wilderness, mit einem Unentschieden und vielen Toten.


Nachdem General Philip Henry Sheridan am 31. Mai 1864 eine Straßenkreuzung erobert hatte, die Cold Harbor genannt wurde, legten dort beide Kriegsparteien zwischen dem Topoptomy Creek und dem Chickahominy River auf einer Länge von elf Kilometer Schützengräben an. Am 2. Juni standen sich ca. 110000 Unionssoldaten und ca. 60000 Soldaten der Konföderation gegenüber. Während General Lee wegen seiner zahlenmäßig schwächeren Armee in der Defensive bleiben musste, hatte General Grant nicht vor zu warten. So gab dieser am 3. Juni den Befehl für einen Sturmangriff. Ein fataler Fehler, wie sich später zeigte. 7000 Unionssoldaten waren bis zum Nachmittag gefallen und Grant bedauerte am Abend, diesen Befehl gegeben zu haben.


Dennoch war Grant der Ansicht, dass der Gegner irgendwie aus den Schützengräben vertrieben werden sollte. Ein Sturmangriff kam nicht mehr in Frage. Was blieb, war nur noch die Zerstörung der gegnerischen Nachschublinien und Lager. Mit dieser Aufgabe wurden die Generäle David Hunter und Sheridan betraut. Beiden hatten am Ende aber nicht den entscheidenden Erfolg. Grant selber hatte vor, sich aus Colt Harbor zurückzuziehen, um nach Petersburg zu marschieren. Die Bedrohung der Stadt sollte General Lee dazu veranlassen, seine Stellungen zu verlassen. Natürlich war die Einnahme von Petersburg das Hauptziel. Aber die Stadt war mindestens genau so sicher befestigt wie Spotsylvania, wenn sie auch nur von einer Nottruppe von 2500 Soldaten gehalten wurde. Das wussten die Yankees aber nicht. Nachdem sie am 12. Juni den James River überquert hatten, wurden in den darauffolgenden Tagen mehrere Angriffsversuche gestartet. Trotz einiger Erfolge kam ein entscheidender Durchbruch nicht zustande. Selbst der Versuch, die feindlichen Linien mit einem Tunnel zu untergraben, um sie dann in die Luft zu sprengen, brachte keinen Durchbruch. Der missglückte Versuch, die Konföderierten bei Cold Harbor durch einen Sturmangriff zum offenem Kampf zu zwingen, hatte bei den Yankees eine Art Cold-Harbor-Syndrom erzeugt. Niemand, der seine Erfahrung mit einem solchen Manöver gemacht hatte war bereit, das noch einmal zu wiederholen. Und so ließ Grant die Stadt vom 18. Juni 1864 bis zum 2. April 1865 belagern. Während der Belagerung marschierte General Sherman in südlicher Richtung quer durch Georgia, nahm die Städte Atlanta und Savannah ein, hinterließ in South Carolina eine Spur der Verwüstung, und marschierte obendrein noch durch North Carolina. General Lee hatte mittlerweile vor, seine Stellungen vor Petersburg zu verlassen, um sich mit General Joseph Johnston in North Carolina zu vereinigen. Diesem Rückzug gingen einige Gefechte voraus, u. a. auch eines an einer Straßenkreuzung, die Five Forks genannt wurde und von den Yankees unter dem Kommando von General Sheridan gewonnen wurde. Aus dem Rückzug wurde nun eine Flucht. Der Krieg war damit für die Union so gut wie gewonnen. Was noch fehlte, war die offizielle Kapitulation, die schließlich am 9. April 1865 erfolgte, nachdem sich Lee bei Appomattox Courthouse ein letztes Mal gegen die Unions-Armee aufgelehnt hatte. Auch Johnston kapitulierte am 26. April 1865.


Damit war General Grant der große Gewinner des amerikanischen Bürgerkriegs. 1866 wurde er zum Full-General befördert. Wie seine vorherigen Dienstgrade, hatte es auch diesen bis dahin noch nicht gegeben. Zu seinen jetzigen Aufgaben gehörte nun die Überwachung der Indianer und der Schutz der Arbeiter beim Bau der transkontinentalen Eisenbahnverbindungen. Als Andrew Johnson als Nachfolger von Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, betraute dieser Grant mit der Aufgabe, die Wiedereingliederung und den Wiederaufbau des geschlagenen Südens zu bewerkstelligen. Das erwies sich aber als zunehmend schwierig, da Johnsons Pro-Süden-Politik bei der Bevölkerung des Nordens keinen besonderen Anklang fand. Auch Grant war von dieser Politik nicht begeistert, dennoch hielt er seinem Präsidenten zunächst noch die Treue. Nachdem Grant zum Secretary of War ernannt wurde - seinen Vorgänger Edwin M. Stanton hatte Johnson vorher entlassen - musste er feststellen, dass das Amt nicht das richtige für ihn war. Seine Leistungen hielten sich somit auch in Grenzen, was dazu führte, dass Stimmung gegen ihn gemacht wurde. Grant entschloss sich daraufhin, zu den radikalen Republikanern überzuwechseln, von denen er im Jahre 1868 als Präsidentschaftskandidat aufgestellt wurde. Mit 214 von 294 Stimmen wurde er daraufhin zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.


Um es kurz zu sagen: So hervorragend seine Fähigkeiten im Bürgerkrieg auch waren, als Präsident war er nicht geeignet. Statt sich Fachleute ins Kabinett zu holen, bevorzugte er alte Freunde und Kameraden. Damit war er schlecht beraten und entsprechend waren auch seine Leistungen. Am Ende seiner ersten Amtsperiode hatten ihn die Republikaner schon längst abgeschrieben. Sie gründeten eine eigene Partei und stellen bei der Neuwahl einen Gegenkandidaten auf. Paradoxerweise gewann Grant aber im Jahre 1872 auch die zweite Wahl. Was folgte, waren Skandale über Skandale, eine verheerende Wirtschaftskrise und eine hohe Arbeitslosigkeit.


Nach der zweiten Amtsperiode zog Grant sich erst einmal ins Privatleben zurück. Zusammen mit seiner Frau und seinem jüngsten Sohn begab er sich auf einer zweijährigen Weltreise. Als er 1880 nach Amerika zurückkam, bewarb er sich ein drittes Mal für das Amt des Präsidenten, diesmal aber ohne Erfolg. Also versuchte er es noch einmal als Geschäftsmann. Und hier zeigte sich zum wiederholten Male, dass Grant als Soldat geboren wurde und nicht als Geschäftmann oder Politiker, denn Grant Firma ging pleite. Mehr Erfolg hatte er dagegen mit der Schriftstellerei. So verfasste er zwei Abhandlungen über den Krieg und begann später, seine Memoiren zu schreiben. Damit war sein zukünftiges Leben und das seiner Familie gesichert.


Ulysses Simpson Grant starb am 23. Juli 1895 friedlich auf seinem Landsitz in Mount McGregor im Staat New York. In einem Mausoleum in New York City fand er seine letzte Ruhestätte.



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