Henry Wager Halleck

Henry Wager Halleck (Union) wurde am 16. Januar 1815 in Westernville (New York) geboren. Halleck besuchte zunächst die Hudson Akademie und absolvierte 1839 als einer der Besten die Militärakademie in West Point. 1844 besuchte er Europa und schrieb dort eine Abhandlung über französische Kriegsführung. Vor dem Lowellinstitut von Boston hielt er eine Reihe von Vorträgen und schrieb 1846 das Buch "Elements of Military Art and Science". Außerdem übersetzte er im selben Jahr Jominis Napoleonbiographie ins Englische. Seinen Hang zur militärischen Schriftstellerei brachte ihn den Ruf eines Theoretikers der Strategie ein. Bald nannte man in "Old Brains". Seine ersten Kriegserfahrungen sammelte er im Mexikokrieg, wo er auch ausgezeichnet wurde. Im Jahre 1854 verließ Halleck die US-Armee, um in Kalifornien als Anwalt und als Geschäftsmann tätig zu werden. So war er Präsident der "Pacific & Atlantic Railroad" und Direktor der neuen Quecksilbergrube Almaden. Hier schrieb er zwei Bücher über Rechtsfragen im Bergbau. Dann wurde ihm eine Stelle eines Richters am Supreme Court angeboten, die er aber ablehnte. Halleck gehörte nicht zu den Generälen, die sich durch häufige Kriegseinsätze auszeichneten. Im November 1861 löste er als Befehlshaber des Bereichs Missouri General Frémont ab. Frémont hatte in der Armee ein Chaos hinterlassen, so dass Hallecks Aufgabe nun darin bestand, wieder Ordnung in die Armee zu bringen, was ihm auch gelang. Zusammen mit General Don Carlos Buell befehligte er über 170000 Soldaten, die von Ost-Kentucky bis Südwest-Missouri stationiert waren. Demgegenüber hatten die Südstaaten von den Appalachen bis zu den Ozarks mehr als 70000 Mann in Stellung gebracht, die von Albert Sidney Johnston kommandiertet wurden.


Präsident Lincoln drängte Halleck und Buell immer wieder dazu, den Feind in einer breit angelegten Offensive anzugreifen. Beide Generäle waren aber ständig bestrebt, sich selber in den Vordergrund zu stellen, statt miteinander zusammenzuarbeiten, was der Unionsstreitmacht nicht gut tat. Außerdem hielt sich der Wille zu so einer Offensive in Grenzen, da beide eine Niederlage befürchteten. Zwar war Buell bereit, mit Hilfe Hallecks in Bowling Green die Hauptstreitmacht der Konföderierten anzugreifen, doch Halleck meinte, "Er sei noch nicht gerüstet" und "Zu große Hast wird alles verderben". Und hier zeigte sich zum ersten Mal, dass Halleck zwar ein großer Theoretiker, aber kein Vollstrecker war.


Zum Glück unterstand ihm ein General, der eine größere Kämpfernatur war, als er selber. Es war Ulysses S. Grant. So bat dieser seinen Kommandeur, Fort Henry am Tennessee einnehmen zu dürfen, das er für den schwächsten Punkt an Johnstons Front hielt, da sich die Südstaaten hauptsächlich auf die Stellungen am Mississippi konzentrierten. Fort Henry war daher schlecht befestigt und mit nur 2500 Soldaten besetzt. Die Einnahme am 06. Februar 1862 verlief somit auch fast ohne Gegenwehr. Zehn Tage später - am 16. Februar 1862 - war Fort Donelson am Cumberland River an der Reihe. Zwar war dieses Fort schwerer zu "knacken", aber am Ende mussten die Konföderierten auch hier kapitulieren. Für die Nordstaaten war dieser Erfolg ein strategisch wichtiger Sieg, und Halleck, der diesen Sieg als persönlichen Erfolg verbucht und gemeldet hatte, wurde daraufhin zum Befehlshaber der Mississippi-Armee befördert.


Anfang April gab Halleck General Grant den Befehl, seine 30000 Soldaten nach Pittsburgh Landing am Tennessee zu verlegen, das ca. 32 Kilometer von Corinth entfernt war. Hier sollte er auf General Buell warten, der mit weiteren 50000 Soldaten von Nashville aus auf dem Weg nach Pittsburgh Landing war. Ziel war Corinth, das als Eisenbahnknotenpunkt der Nord-Süd und Ost-West Bahnlinien für die Nordstaaten strategische Bedeutung hatte. General Albert Sidney Johnston hatte mittlerweile seine Truppen in der Nähe des Eisenbahnknotenpunktes konzentriert. Was dann folgte, war die grausame Schlacht bei Shiloh, die vom 06. bis zum 07. April 1862 stattfand. Schließlich wurde die Schlacht für die Union entschieden, aber nicht ohne erhebliche Verluste. General Johnston musste sich nach anfänglichem Vorstoß mit seiner geschlagenen Armee wieder nach Corinth zurückziehen.


Nun bot sich für Halleck die Gelegenheit, aktiv am Kriegsgeschehen teilzunehmen, indem er es sich zur Aufgabe machte, Corinth einzunehmen, was ihm auch gelang. Zwar wurden die Truppen der Konföderierten verstärkt, aber mit Soldaten, die nach der Schlacht bei Shiloh erheblich angeschlagen waren.


Viele litten noch an ihren Verwundungen. Außerdem war das Trinkwasser in der Stadt durch die Abfälle der Armee verseucht, so dass viele an Typhus und Ruhr erkrankten und starben. Letztlich gab es hier fast genauso viele Opfer wie in der Schlacht bei Shiloh.


So kam der kommandierende General Beauregard nach einiger Zeit zu der Ansicht, dass es keinen Sinn mehr habe, Corinth um jeden Preis zu halten. Also entschloss er sich am 25. Mai 1862 zum Abzug. Corinth konnte nun ohne Blutvergießen genommen werden. Das übernahm aber nicht General Halleck, sondern eine Flussflotte, die ihm zuvorgekommen war. Erst am 30. Mai 1862 besetzten Hallecks Truppen die Stadt. Kriegsminister Stanton und General Grant waren nach der Einnahme der Ansicht, dass das Nachsetzen der zurückweichenden Konföderierten und die gleichzeitige Einnahme von Vicksburg (Mississippi) am wichtigsten sei. Halleck selber war jedoch anderer Meinung. Er hielt es für wichtiger, die Ordnung aufrechtzuerhalten, in dem er Besatzungstruppen organisierte.


Das war auch schon Hallecks letzte aktive Mission auf einem Schlachtfeld im Bürgerkrieg. Von da an diente er als militärischer Berater Präsident Lincolns. Im Juli 1862 wurde er zum Oberbefehlshaber der gesamten Armee ernannt. In dieser Eigenschaft musste er immer wieder die Anfangs trägen und langsamen Generäle der Union antreiben. So mahnte er beispielsweise General Buell an, sich auf dem Weg nach Chattanooga schneller zu bewegen. Auch bei der Schlacht von Perryville wurde dieser zuvor von Halleck telegraphisch aufgefordert, den Vorstoß der Konföderierten durch einen Angriff zu stoppen. "Ständig gehen Sie zu langsam vor", meinte er sinngemäß, "Die Unbeweglichkeit Ihrer Armee ist höchst erstaunlich". Vor der Schlacht bei Antietam verlangte der ebenfalls zögerliche General McClellan von Halleck, eine bei Harper´s Ferry stationierte Garnison zur Potomac-Armee zu verlegen. Halleck lehnte jedoch ab und traf damit unbewusst eine richtige Entscheidung, denn die Schlacht bei Antietam endete mit einen Rückzug der konföderierten Truppen, die unter dem Kommando von General Lee standen. Bei Frederickburg musste auch McClellan angetrieben werden. Halleck kochte hier vor Wut und war angewidert von der Unbeweglichkeit der Armee. So erging es auch General Rosecrans, der vor der Schlacht am Stones River ebenfalls nicht der schnellste war.


Da General Grant mittlerweile auf hervorragende Leistungen zurückblicken konnte, wurde er von Präsident Lincoln im März 1864 zum Oberbefehlshaber der gesamten Unionsarmeen und gleichzeitig zum Generalleutnant ernannt. General Halleck wurde daraufhin Stabschef, womit er auf seiner Karriereleiter eine Sprosse tiefer treten musste. Nach Ende des Krieges diente Halleck noch weiterhin als Berufssoldat. In dieser Eigenschaft kommandierte er eine Armee in Virginia und am Pazifik. Er starb am 9. Januar 1872 in Louisville, Kentucky.



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