Robert Edward Lee

Robert Edward Lee (Konföderation) wurde am 19. Januar 1807 im Westmoreland County in der Stadt Stratford (Virginia) als fünftes Kind von Henry Lee und dessen zweiten Frau Ann Hill Carter-Lee geboren. Sein Vater war selber ein berühmter General im Unabhängigkeitskrieg und wurde "Light-Horse Harry" genannt. So war es selbstverständlich, dass auch Robert - nachdem er auf der Alexandria School ausgebildet wurde - die Militärakademie in West Point besuchte, die er vier Jahre später als zweitbester seiner Klasse absolvierte. Am 30. Juni 1831 heiratete er seine Frau Mary Ann Randolph Custis. Sie war die Tochter von Parke Custis, dem Adoptiv-Enkel von George Washington. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, vier Töchter und drei Söhne. Alle drei Söhne dienten später ebenfalls in der Armee, wovon Robert E. Lee jr. der bekannteste war. Seine ersten Fronterfahrungen machte Lee im mexikanischen Krieg. Hier wurde er wegen seiner Tapferkeit dreimal ausgezeichnet und zum 2. Colonel ernannt. 1852 ging er zurück nach West Point, um für drei Jahre die Leitung der Militärakademie zu übernehmen. Danach wurde er vom damaligen Kriegsminister Jefferson Davis zum 2. Lieutenant Colonel der Kavallerie ernannt. Im Jahre 1859 befehligte Lee zusammen mit Lieutenant J. E. B. Stuart eine Kompanie der US-Marineinfanterie, die in der Nacht zum 18. Oktober mit einem Angriff in Harpers Ferry den gewalttätigen Abolitionisten John Brown und seine Anhänger zur Strecke brachte. Braun hatte sich mit mehreren Geiseln in einem Feuerwehrhaus zurückgezogen. Bei der Befreiung viel kein Schuss, um die Geiseln zu schützen. Dennoch verlor Lee einen Mann, während auf Brauns Seite zwei Männer getötet wurden. Braun selber wurde gefangengenommen und später hingerichtet.


Für den kommandierenden General Winfield Scott galt Lee schon Anfang 1861 als bester Offizier der ganzen Armee. Daher bat er Präsident Lincoln, ihm den Oberbefehl über die Unionstruppen zu übertragen. Lee hatte eine tiefe Abneigung gegen die Sklaverei und so könnte man annehmen, dass er das Angebot annehmen würde. Sein Herz schlug jedoch für seine Heimat. "Ich kann doch nicht die Hand gegen meinen Geburtsort, meinem Heim und meine Kinder erheben", sagte er einmal. Also entschied er sich zum Bedauern Scotts gegen die Union. Am 23. April 1861 wurde ihm der Oberbefehl über die Feld- und Marinestreitkräfte von Virginia übertragen. Drei Wochen später wurde er zum Brigadegeneral der konföderierten Armee befördert.


Die Begeisterung über diese Beförderung hielt sich jedoch bei den meisten der Konföderierten in Grenzen. Man besaß keine gute Meinung über Lee, da er bis dahin im Westen Virginias kaum Erfolge gehabt hatte. "Spatenkönig" wurde er genannt, nachdem er an der Westküste Virginias den Aufbau von Verteidigungsanlagen überwachte. Lee selber ließ sich von diesem Gerede nicht beeindrucken, zumal ihm Präsident Davis den Rücken stärkte.


Während der konföderierte General McClellan die Hauptstadt Richmond (Virginia) belagerte, ergab sich für General Joseph Johnston Ende Mai 1862 die einmalige Gelegenheit, einen Großteil der gegnerischen Armee zu schlagen. Johnstons hatte seine Truppen in einem Dorf namens Seven Pines stationiert, dass sich ganz in der Nähe von Unionstruppen befand, die südlich vom Chickahominy River stationiert waren. Der Wasserstand des Flusses, der ca. 9,5 Kilometer von Richmond entfernt lag, war durch einen starken Regenguss ungewöhnlich hoch angestiegen, so dass die südlich stationierten Unionstruppen vom Rest abgeschnitten waren.


Damit war Johnstons Armee in der Überzahl, und am 31. Mai 1862 blies er zum Angriff. Trotz dieser Chance gelang es ihm nicht, den Gegner zu schlagen. Am Ende hatte die Schlacht für beide Seiten strategisch nichts eingebracht hatte. Johnston selber wurde auf dem Schlachtfeld schwer verwundet. Zunächst übernahm danach ein gewisser Generalmajor Gustavus W. Smith das Kommando, da dieser der nächste in der Rangfolge war. Bald darauf übergab Davis aber General Lee das Kommando. Aktiv wurde dieser aber erst, nachdem Smith die nervliche Belastung nicht mehr aushielt.


Und diese Aktivität beschränkte sich darauf, zunächst das Gefecht am 01. Juni abzubrechen und danach den Verteidigungsring um Richmond zu verstärken, womit er seinen Ruf als "Spatenkönig" alle Ehre machte. General McClellan war eigentlich ganz froh, dass Lee den Posten übernommen hatte, denn auch er hielt nicht viel von dessen Fähigkeiten. Bald sollte sich aber herausstellen, dass Lee von McClellan und von seinen eigenen Leuten unterschätzt wurde.


McClellan selber hatte ständig die Befürchtung, einen stärkeren Gegner vor sich zu haben, was aber gar nicht der Fall war. Er hätte durchaus jederzeit angreifen können und dabei gute Chancen gehabt, den Feind zu vernichten. Er tat es aber nicht. Stattdessen ließ er Lee drei Wochen Zeit, die Verteidigungsanlagen auszubauen, ohne sich selber zu rühren.


Obwohl es so aussah, hatte Lee gar nicht vor, in der Defensive zu bleiben. So blies er am 26. Juni 1862 zu einem ersten Angriff und leitete damit die Sieben-Tage-Schlacht ein, die am 01. Juli des Jahres endete.


Der Angriff war erfolglos, und um es kurz zu sagen: Auch die folgenden Angriffe - bis auf einen - scheiterten. Aber am Ende hatte General Lee trotzdem einen strategischen Sieg errungen. Er hatte das Glück, einen absolut unfähigen und ängstlichen Gegner vor sich zu haben. Neben der unbegründeter Angst vor einen übermächtigem Gegner, hatte McClellan auch noch Angst vor dem berühmten "Stonewall"-Jackson. Dabei war Jackson während dieser Zeit so gut wie gar nicht an einem Gefecht beteiligt. Er kam entweder überhaupt nicht oder zu spät. Aber sein Name und seine Taten in der Vergangenheit reichten aus, um McClellan diese Angst einzujagen. So wagte dieser nicht, einen entscheidenden Offensivschlag zu führen. Überzeugt, die Schlacht nicht mehr gewinnen zu können, entschied er sich für die Aufgabe des Belagerungsrings und für den Rückzug zum James River, genauer gesagt nach Harrison´s Landing. Lees anschließenden Versuche, McClellan den Weg abzuschneiden, um dessen Armee zu vernichten, waren aber alle zum scheitern verurteilt.


Und dennoch, wenn man bedenkt, dass McClellan ursprünglich in Richmond einmarschieren wollte, sich letztendlich aber bis nach Harrison´s Landing zurückgezogen hatte, kann man nicht gerade von einer rumreichen Tat sprechen. Das strategische Ziel der Konföderierten, die Belagerung von Richmond zu beenden, war erreicht.


Bei der zweiten Schlacht von Manassas (Bull Run 2), die vom 29. bis zum 30. August 1862 tobte, konnte General Lee mit Unterstützung der Generäle Longstreet und Jackson einen weiteren Sieg verbuchen. Sein direkter Gegner in dieser Schlacht war General John Pope, der sich eigentlich mit McClellans Armee treffen sollte. McClellan weigerte sich aber, Hilfe zu schicken. Sein Ärger darüber, dass seine Korps nun unter Popes Kommando stehen sollte, war einfach zu groß. Auch die Generäle McDowell und Porter sollten mit ihren Truppen Pope zur Hilfe kommen. McDowell (20000 Soldaten) war aber scheinbar die ganze Zeit nur auf der Suche nach dem Feind und Porter (10000 Soldaten) befürchtete eine Niederlage angesichts von Longstreets Übermacht. Selbst als Pope ihm befahl anzugreifen, verweigerte er den Befehl, wofür er später vor ein Kriegsgericht gestellt wurde.


Diese Umstände und Popes Fehlentscheidungen - er glaubte zweimal fälschlicherweise, der Feind würde sich zurückziehen - waren der Grund für den Rückzug der Yankees in Richtung Washington. Das Kriegsgeschehen war nun 32 Kilometer vor die Hauptstadt der Union verlagert worden. Ein ungeheurer strategischer Erfolg für General Lee, wenn man bedenkt, dass noch einen Monat zuvor die Nordstaatler 32 Kilometer vor Richmond stationiert waren.


Nach der Schlacht waren Lees Soldaten durch die harten Kämpfe sehr erschöpft und der Nachschub konnte auch nicht mehr gewährleistet werden. In dieser Situation wäre es jetzt das Beste gewesen, sich nach Richmond (Virginia) zurückzuziehen. Für Lee kam das aber nicht in Frage. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, weiter nach Norden zu marschieren, bis nach Maryland. Und dieses Ziel setzte er am 06. September 1862 erfolgreich um, indem er an diesem Tag in Frederick City (Maryland) einmarschierte. Sein Verfolger bei dieser Invasion war nun wieder General McClellan. Was folgte, war die Schlacht am Antietam, die vom 15. bis zum 17. September 1862 ausgefochten wurde. Genauso wie bei Richmond hatte McClellan hier alle Chancen Lees Armee zu schlagen. Seine Armee war wie immer zahlenmäßig stärker als die seines Gegner. Was nützt aber eine starke Armee, wenn sie von einen zögerlichen und ängstlichen General geführt wird, während ihm gegenüber ein risikofreudiger und offensiver General stand. Am Ende sah es so aus, dass Lee sich zwar am Abend des 18. September wieder zurückziehen musste, um schließlich den Potomac-River zu überqueren. Geschlagen war seine Armee aber nicht. Im Gegenteil, um McClellan am letzten Tag zu einem erneuten Kampf herauszufordern, weigerte sich Lee, dass Schlachtfeld zu verlassen. McClellan unternahm jedoch nichts mehr, obwohl ihm mittlerweile zwei frische Divisionen zur Verfügung standen.


Nun wurde McClellan von Präsident Lincoln aufgefordert, wenigsten den Feind zu verfolgen, um ihn dann zu schlagen. Aber auch damit hatte der General nichts im Sinn, so dass er schließlich seinen Posten räumen musste. Sein Nachfolger wurde General Ambrose Everett Burnside, und am Anfang schien es so, als wenn dieser etwas Tatkräftiger an die Sache herangehen würde. Schließlich zeigte sich jedoch, dass sich seine Handlungsweise auch nicht viel von der seines Vorgänger unterschied. So hatte er auch nicht vor, Lees Armee zu schlagen. Sein Ziel war vielmehr wieder Richmond. Um die Hauptstadt zu erreichen waren allerdings mehrere Flüsse zu überqueren, die ein erhebliches Hindernis darstellten, und das erste Hindernis war der Rappahannock River, in dessen Nähe sich die Stadt Fredericksburg befand. So ungewöhnlich schnell Burnsides Potomac-Armee den Fluss auch erreichte, so ungewöhnlich lange dauerte es ihn zu überqueren.


Wie immer nutzte General Lee dieses zögerliche Verhalten aus, indem er seine Truppen an geeigneten Stellungen stationieren ließ. Zwar konnte Fredericksburg am Abend des 11. Dezembers 1862 von den Yankees eingenommen werden. Schließlich waren es aber die strategisch besseren Stellungen der Konföderierten hinter der Stadt, die Burnside dazu zwangen, in der Nacht zum 16. Dezember den Rückzug über den Rappahanock River anzutreten. Die Union verlor über 12700 Soldaten, die Konföderierten dagegen ca. 6000.


Um die Stadt Fredericksburg auch für die Zukunft zu schützen, ließ General Lee am Rappahannock River ein 40 Kilometer langes Netz von Schützengräben ausgraben. Ca. ein halbes Jahr später bekam er es dann mit einem neuen Gegner zu tun. Es war General Joseph Hooker, der inzwischen Burnsides Posten übernommen hatte. Während Lee sich mit 60000 Soldaten begnügen musste, besaß Hooker eine Streitmacht von 130000 Soldaten. Sein Plan sah vor, seine Truppen an einem Straßenknotenpunkt zu sammeln, der Chancellorsville genannt wurde. Nur von hier aus konnten Lees Stellungen rücklings über zwei Straßen erreicht werden. Die erfolgreiche Durchführung des Plans setzte aber voraus, dass Lee angesichts der gegnerischen Übermacht eine defensive Haltung einnehmen würde. Das tat er aber nicht. Statt dessen setzte er Hooker fast seine gesamte Streitmacht entgegen. Nur 10000 Soldaten belies er in Fredericksburg. Die sonst so prahlerische Art Hookers verwandelte sich plötzlich in eine merkwürdige Zurückhaltung. Statt die Offensive zu ergreifen, was bei einer solchen Übermacht logisch gewesen wäre, blieb er in der Defensive und wartete auf einen konföderierten Angriff, der dann auch am 1. Mai 1863 kam. Was folgte, war die Schlacht bei Chancellorsville, die bis zum 04. Mai andauerte. Schließlich konnte General Lee wieder einen Sieg für sich verbuchen, und das, obwohl die Ausgangssituation für Hooker wesentlich besser war. Mit einer doppelt so großen Streitmacht wie die des Gegners war es ihm nicht gelungen, General Lee zu bezwingen. Kaum verlief sein Schlachtplan nicht so, wie er es sich gedacht hatte, resignierte er schon. Lee hingegen hatte trotz seiner schlechteren Ausgangsituation die Initiative ergriffen und seine Armee so geschickt aufgeteilt, dass sie an den entscheidensten Stellen immer in der Überzahl war. Dennoch hatte die Schlacht bei Chancellorsville für beide Seiten einen hohen Preis. Während die Union ca. 17000 Verluste zu beklagen hatte, waren es auf Seiten der Konföderierten ca. 13000. Darunter war auch der berühmte General "Stonewall" Jackson.


Man kann sagen, dass General Lee bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur Erfolge verbucht hatte. Wenn er nicht einen klaren Sieg davon trug, dann hatte er zumindest strategische Erfolge. Selbst wenn er sich zurückziehen musste, konnte man nicht von einer Niederlage sprechen, da er stets einen zahlenmäßig übermächtigen Gegner vor sich hatte, der ihn jederzeit hätte schlagen können.


Dennoch hatte Lee nicht vor, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Zwar wurde Hooker in Virginia geschlagen, dennoch war die Potomac-Armee noch sehr schlagkräftig, so dass sie eine ernsthafte Bedrohung darstellte. Und in Mississippi hatte General Grant seinen dritten Versuch gestartet, die Stadt Vicksburg einzunehmen, wobei er diesmal etwas erfolgreicher an die Sache heranging. Aufgrund all dieser Bedrohungen, benötigten die Konföderierten einen weiteren militärischen Erfolg in Form eines offensiven Verteidigungsschlages.


Lees Plan sah vor, nochmals eine Invasion im Norden zu wagen. Er benötigte unbedingt einen Sieg auf feindlichen Boden. Sein Ziel war Pennsylvania. Wenn er in diesen Staat einmarschieren würde, könnte er auf dem Weg dorthin Washington, Baltimore und am Ende auch New York bedrohen. Mit General Ewells Abmarsch am 2. Juni 1863 wurde der Plan in die Tat umgesetzt, wobei im Verlauf der Invasion die Städte Chambersburg (Pennsylvania), Carlisle und York besetzt wurden. Alle drei Städte umringten wiederum eine Stadt, die wohl der berühmtesten Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs ihren Namen gab: Gettysburg. Die Stadt hatte keine strategische Bedeutung. In ihr gab es aber eine Wegkreuzung, die für beide Kriegsparteien interessant war.


Sowohl Lee als auch General Meade - der Nachfolger von General Hooker - hatten nun vor, hier ihre Truppen zu konzentrieren. Am 01 Juli 1863 strömten insgesamt ca. 165000 Soldaten auf Gettysburg zu. Lees Armee vom Norden her, Meades vom Süden. Die Truppen, die den Ort als erstes erreichten, gehörten zur Union. Was folgte, war eine dreitägige Schlacht, die am 03. Juli mit einer Niederlage für die Konföderierten endete. Die Situation war ähnlich wie bei der Schlacht von Fredericksburg. Auch hier gab es ein erhöhtes Gelände in der Nähe der Stadt, das für den Ausgang der Schlacht von entscheidender Bedeutung war. Zwar konnten die Konföderierten die Yankees Anfangs noch zurückdrängen und durch die Stadt treiben. Auch einige nachfolgende Angriffe waren erfolgreich.


Aber schließlich waren die Stellungen des Feindes auf dem erhöhten Gelände so gut ausgebaut, dass schon am Ende des zweiten Tages an einem Sieg der Konföderierten nicht mehr zu denken war. Dennoch war Lee fest entschlossen noch einmal in die Offensive zu gehen.


So bekam General Longstreet von Lee den Befehl, die Mitte der Unions-Front auf einem Berg anzugreifen, der Cemetery Ridge genannt wurde. Mit ca. 14000 Soldaten sollte er über ca. 1200 Meter offenes Gelände den 150 feindlichen Kanonen entgegen marschieren, die in der Zwischenzeit von den Yankees dort aufgestellt wurden.


Longstreet befolgte den Befehl wiederwillig, und er sollte mit seiner Skepsis recht behalten. Auf einer Frontlänge von über anderthalb Kilometer gingen die konföderierten Soldaten gegen den Feind vor. Mit lautem Geschrei stürmten sie auf den Hügel zu und je näher sie kamen, umso mehr Soldaten fanden den Tod. Nur die wenigsten schafften es, die feindlichen Linien zu erreichen. Soldaten, die sich zum Rückzug entschlossen hatten, mussten den gleichen tödlichen Weg wieder zurückrennen.


Erst nach einer halben Stunde war das Gemetzel zu Ende. 7000 konföderierte Soldaten fielen auf dem Schlachtfeld. Jetzt endlich sah Lee ein, dass die Schlacht verloren war. In der Nacht zum 4. Juli zog er sich mit seiner Armee daraufhin zum Potomac River zurück. Diesmal hatte Lee eine wirkliche Niederlage erlitten. Es hatte sich gezeigt, dass nicht die Generäle der Konföderierten die besseren Feldherren waren - wie man es früher gewohnt war -, sondern die der Union. Dank ihrer Entschlossenheit und der Verlegung der Truppen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, war es der Union gelungen, den größten Teil ihrer Stellung nicht nur zu halten, sondern auch auszubauen.


Und dennoch erwies sich General Lee auch in der Folgezeit als harter Brocken, obwohl er bald mit einem Gegner konfrontiert wurde, der ihm allemal das Wasser reichen konnte: Der Gegner hieß General Ulysses Simpson Grant.


Aber auch Grant hatte Anfangs seine Schwierigkeiten mit seinem direkten Widersacher. Trotz seiner zahlenmäßig stärkeren Truppen (120000 konföderierte Soldaten, 64000 Unions-Soldaten), war Lee nicht zu schlagen. Das zeigte sich am 5. und 6. Mai 1864 bei der Schlacht in der Wilderness. Die Wilderness war ein fast undurchdringliches Waldstück, und obwohl Grant möglichst eine Schlacht innerhalb des Waldstückes vermeiden wollte, fanden die entscheidenden Gefechte dort statt. Durch den Pulverdampf der durch die Wälder zog, war kaum etwas zu erkennen. Viele Soldaten wussten nicht, ob sie Feind oder Freund vor sich hatten. So kam es vor, dass das Feuer auf die eigenen Kameraden eröffnet wurde. Ein geschlossener Vormarsch wie im offenen Gelände war unmöglich. Grant startete mehrere Angriffsversuche, doch ein entscheidender Vernichtungsschlag gelang ihm nicht. Mal wurden die Konföderierten durch den Wald getrieben, mal die Yankees. Außerdem wurde im Wald an beiden Tagen ein Feuer entfacht, was die Angriffe beider Kriegsparteien nicht einfacher machte. Schließlich hatte die Schlacht in der Wilderness nichts eingebracht. Beide Armeen verschanzten sich wieder in ihren ursprünglichen Stellungen. Weder Grant noch Lee hatten es geschafft, den jeweiligen Gegner zu vernichten. Während die Yankees zahlenmäßig stärker waren, hatten die Konföderierten die besseren Ortskenntnisse.


Sechzehn Kilometer weiter südlich befand sich das Dorf Spotsylvania. Darin befand sich eine Straßenkreuzung, die Grant für eine Besetzung ins Auge gefasst hatte. Er hoffte, durch die Bedrohung des Dorfes Lee zu einem Kampf zu zwingen. Seine Hoffnung ging in Erfüllung, als sich seine Truppen am 8. Mai 1864 in Bewegung setzten. Als sie das Dorf erreichten, stießen sie allerdings auf eine Befestigung, die es in diesem Krieg noch nicht gegeben hatte. Was folgte, war die Schlacht von Spotsylvania, die erst am 12. Mai zu Ende ging. Wie in der Wilderness startete Grant auch hier mehrere Angriffsversuche, und tatsächlich gelang es seinen Truppen teilweise die Linien zu durchbrechen. Was jetzt noch fehlte, waren weitere frische Divisionen, um den Durchbruch auszubauen und zu halten. Diese gingen dann aber sehr zögerlich an die Sache heran, da sie einen massiven Gegenschlag befürchteten, der dann auch tatsächlich kam. Diese Zögerlichkeit und das schlechte Wetter am nächsten Tag zwangen die Yankees schließlich, sich wieder in die Gräben zurückzuziehen, die sie vorher erobert hatten. Aus den Gräben heraus folgte daraufhin eine Schlacht, die später als "Bloody Angle of Spotsylvania" bezeichnet wurde, da ein Gemisch aus Blut und Regen den Boden in eine schlammige Brühe verwandelte. Zwar hatte Lee während der Gefechte seinen Truppen befohlen, sich auf einer 800 Meter zurückliegenden Frontlinie zurückzuziehen, am Ende war er aber wieder nicht geschlagen. Die Schlacht endete so wie in der Wilderness, mit einem unentschieden und vielen Toten. In der Wilderness und in Spotsylvania hatte Lee sich angeschickt, selbst zur Waffe zu greifen um zu kämpfen, was seine Soldaten aber zu verhindern wussten. Sie benötigten einen fähigen Feldherrn im Hintergrund und keinen Toten auf dem Feld.


Die Taktik, ein strategisch wichtiges Ziel zu bedrohen, um Lee zum Kampf zu zwingen, setzte Grant auch in den folgenden Wochen fort. So wurde als erstes ein Eisenbahnknotenpunkt bedroht, der 40 Kilometer südlich von Lees Stellungen entfernt war und am Südufer des North Anna River lag. Da Lee schon früh von dem Plan erfahren hatte, konnte er seine Truppen dort stationieren und frühzeitig Schützengräben anlegen lassen, noch bevor die Unions-Truppen eintrafen. Zu schweren Gefechten kam es daraufhin nicht, da die Präsenz der Konföderierten stark an Spotsylvania erinnerte, worauf Grant von einem größeren Angriff absah.


Also setzte Grant seine Taktik fort, und ließ seine Truppen 32 Kilometer flussabwärts marschieren bis zu einem Straßenknotenpunkt, der Cold Harbor genannt wurde. Genau so schnell wie Cold Harbor am 31. Mai 1864 genommen wurde, verloren die Yankees ihn aber wieder an die Konföderierten. Auf einer Länge von elf Kilometer wurden nun zwischen dem Topoptomy Creek und dem Chickahominy River Schützengräben angelegt, in denen sich die jeweiligen Kriegsparteien verschanzten.


Während Lee in der Defensive bleiben musste, hatte Grant jetzt vor, einen massiven Sturmangriff zu führen. Aber wie schon in den vergangenen Schlachten, hatten Grants Soldaten keine Chance. Auch wenn es ihnen am 03. Juni gelang, die erste Linie der Schützengräben zu durchdringen. Spätestens an der zweiten Linie wurde der Rest niedergemäht. Grant bedauerte am Abend, diesen Sturmangriff befohlen zu haben.


Und wieder setzte Grant seinen Marsch fort, diesmal in Richtung Petersburg. In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni gab er den Rückzugsbefehl aus Cold Harbor zunächst in Richtung James River. Währenddessen sollten seine Kommandeure General Hunter und General Sheridan Lees Nachschublinien blockieren, was ihnen aber nur mäßig gelang. Als Lee am 17. Juni erfuhr, dass Grant dabei war, die gesamte Potomac-Armee über den James River zu schaffen, setzte er alles daran, die Truppen in Petersburg zu verstärken, was letztlich auch glückte.


Bis dahin war Petersburg durch Schützengräben und Kanonen zwar stark befestigt, gehalten wurde die Stadt aber nur von einer Nottruppe von 2500 Soldaten, die unter dem Kommando von General Beauregard standen. Zwar schafften es die Yankees am 18. Juni, durch Einzelangriffen die verstärkten Truppen aus ihren Schützengräben zu vertreiben, besiegt war der Gegner aber dadurch nicht. Dieser zog sich bis zum Stadtrand zurück und den Yankees blieben nur die leeren Schützengräben. Sturmangriffe auf der ganzen Linie wurden dann aber nicht mehr geführt. Die Soldaten beider Kriegsparteien waren seit der Schlacht in der Wilderness ununterbrochen im Einsatz. Ihre Moral stand zu diesem Zeitpunkt auf dem Tiefpunkt. Insbesondere der missglückte Versuch der Yankees, die Konföderierten bei Cold Harbor durch einen Sturmangriff zum offenem Kampf zu zwingen, hatte eine Art Cold-Harbor-Syndrom erzeugt. Niemand, der seine Erfahrung mit einem solchen Manöver gemacht hatte, war bereit, das noch einmal zu wiederholen. So wurde die Stadt seit dem 19. Juni belagert. Die Belagerung dauerte über zehn Monate. 120000 Soldaten standen auf der Seite der Union, 55000 auf der Seite der Konföderierten. Lee hatte sich in dieser Zeit dazu entschlossen, den Rückzug anzutreten, um nicht komplett eingekesselt zu werden. Außerdem hatte er vor, sich in North Carolina mit General Joseph Johnston zu vereinigen, um mit ihm gemeinsam gegen General Sherman vorzugehen. Das Treffen kam aber nicht mehr zustande. Es folgten Angriffe und Gegenangriffe. Insbesondere nach der Schlacht bei Five Forks am 31. März 1865 wurde Lees Armee, die durch Fahnenflucht schon arg dezimiert war, um zwei weitere Divisionen geschrumpft. Beflügelt von diesem Erfolg, griffen die Yankees im Morgengrauen die feindlichen Stellungen südwestlich von Petersburg an. Im Laufe des Tages wurde die Linie der Konföderierten teilweise durchbrochen und vielen Soldaten blieb nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Auch Lee sah jetzt ein, dass er mit seinen restlichen Truppen die Flucht ergreifen musste. Damit war nicht nur Petersburg ungeschützt, sondern auch die Hauptstadt Richmond. Beide Städte wurde am 03. April 1865 genommen.


General Lee hatte damit nicht nur diese Schlacht verloren, sondern auch den Krieg. Wie oben schon erwähnt, hatte er vor, sich mit General Johnston in North Carolina zu treffen, genauer gesagt in Danville. Dieses Ziel erreichte er jedoch nicht. Auch ein Ausweichmanöver in Richtung Lynchburg war zum scheitern verurteilt. Lees Soldaten waren einfach zu erschöpft, um noch große Taten zu vollbringen. Für die Yankees war es ein Leichtes, durch Blitzangriffe Gefangene zu machen. Große Gefechte gab es gar nicht mehr, außer bei Appomattox Courthouse am 9. April 1865. Hier versuchte Lee zum letzten mal, sich gegen seine Verfolger aufzulehnen, jedoch ohne Erfolg. Noch am selben Tag kapitulierte Lee, womit der amerikanische Bürgerkrieg beendet war. Die genauen Kapitulationsformalitäten wurden mit Grant im Haus eines gewissen Wilmer McLean besprochen, der sich hierhin zurückgezogen hatte, nachdem in seinem Haus bei Manassas eine Bombe eingeschlagen war. Nachdem die Papiere unterzeichnet waren, salutierten beide Feldherren voreinander und trennten sich schließlich mit gegenseitigem Respekt.


Nach dem Krieg lehnte Lee mehrere Arbeitsangebote ab, die ihn und seine Familie wirtschaftlich abgesichert hätten. Statt dessen wurde er Präsident des Washington College in Lexington, Virginia. Direkt nach der Kapitulation wurden ihm die Bürgerrechte aberkannt, die er zu seinen Lebzeiten nicht wieder bekam. Erst im Jahre 1975 wurden sie ihm posthum wieder verliehen. Robert Edward Lee starb nach einer langen Herzkrankheit am 12.Oktober 1870 in Lexington, wo er auch begraben wurde.

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