Am 1. Januar des Jahres 1889 hatte der Prophet und Seher Wovoka vom Stamm der Paiute eine Vision. Während einer Sonnenfinsternis soll er von einer göttlichen Stimme den Auftrag erhalten haben, als Erlöser zu den Indianern Nordamerikas zurückzukehren. Von nun an fühlte er sich berufen und ver-kündete die Lehre über ein neues Zeitalter, in dem alle Indianer vom Joch des weißen Mannes befreit werden, nachdem dieser durch eine gewaltige Katastrophe vernichtet wird. Seine Kunde verbreitete sich in Windeseile bei allen Nordamerikanischen Indianern, insbesondere bei den Präriestämmen.


Er löste damit die so genannte Geistertanzbewegung aus, bei der unter monotonen Gesängen und dem dröhnen der Trommeln so lange getanzt wurde, bis die Mitwirkenden vor Erschöpfung in Trance vielen und sich dabei im Jenseits versetzt glaubten, wo sie ihre toten Stammesbrüder wieder trafen. Gewaltige Kriegsheere, so sollen die Stammesbrüder ihnen dann erzählt haben, würden in die Gegenwart zurückkehren und den weißen Mann vertreiben. Alle Indianer würden dann auf "ewiges Glück" vereint und die gesamte Erde würde neu erschaffen werden. Die neue Religion lehnte Kriege, Kämpfe und Grausamkeiten ab. Daher standen die Weißen zunächst positiv dieser neuen Bewegung gegenüber.


Nachdem der Geistertanz aber von immer mehr Stämmen übernommen wurde und insbesondere die Sioux die friedlichen Gebote abschwächten, betrachtete die US-Regierung den Geistertanz als Gefahr, da sie in ihm eine neue Form des Widerstandes sah. Bereichert durch kriegerisches Gedankengut, trugen die Sioux beim Tanz "Geisterhemden", von denen sie glaubten, sie würden Kugeln abwehren. Die Amerikaner sahen dies als politischen und religiösen Protest an und befürchteten einen neuen Aufstand. Als Sitting Bull, Häuptling der Hunkpapa-Sioux, aufgefordert wurde, den Geistertanz im Standing Rock Reservat zu verbieten, machte er sich über die übertriebene Sorge der Weißen nur lustig. Das bestärkte die Amerikaner aber in der Annahme, dass Sitting Bull einer der Führer der Bewegung sei. Als dieser daraufhin verhaftet werden sollte, wurde er am 15. Dezember 1890 von dem Indianer-Sergant Red Tomahawk in einem Handgemenge erschossen.


Nach diesem Mord stieg die Empörung unter den Sioux ins unermessliche. Unter der Führung vom Ninicounjou-Häuptling Big Foot machten sich 149 Männer, Frauen und Kinder auf, ihr Reservat zu verlassen, wurden aber schon kurze Zeit später von der 7. US-Kavallerie am Wounded Knee gestellt. Dort wurden alle am 29. Dezember 1890 im letzten grausamen Massaker der Indianerkriege mit Schnellfeuerkanonen erschossen. Damit war die Unterwerfung der Indianer Wirklichkeit geworden und der Glaube an der Geistertanzbewegung war schlagartig dahin. Wovoka selbst beendete die Bewegung mit den Worten: "Meine Kinder, heute rufe ich euch auf, einen neuen Pfad zu beschreiten. Den einzigen Pfad, der euch noch offen steht - die Straße des weißen Mannes".

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