Hinterladergewehr

Schon im 15. Jahrhundert wurden auf Schiffen und Schlachtfeldern Hinterladerkanonen verwendet. Heinrich der VIII besaß zwei Hinterladergewehre, die das Datum 1537 tragen. Der Münchner Peter Peck ist der früheste namentlich bekannte Hersteller von Hinterladerbüchsen und -pistolen. Eine von ihm hergestellte Luntenbüchse trägt das Datum 1553. Einer der Gründe, derartige Waffen zu konstruieren war natürlich das einfachere und schnellere Laden. Außerdem wurden auf den Schlachtfeldern die Vorderlader öfter  mehrmals geladen, da man im Gefechtsgetümmel häufig die vorhergehende Fehlzündung vergaß, was sich verheerend auswirken konnte. Bei Hinterladergewehren war es möglich zu überprüfen, ob es geladen war oder nicht.


Es gab unterschiedliche Mechanismen ein Gewehr oder eine Pistole von hinten zu laden. Es gab Modelle, bei denen ein Kammerstück mit Pfanne für das Zündpulver in den Lauf eingeschoben wurde, in dem sich das Schießpulver und die Kugel befand. Bei anderen Modellen konnte dieses Kammerstück auch aufgeklappt werden. Ein weiteres Hinterladersystem war der Kipplauf, wie man ihn auch heute noch von den Jagd- oder Schrotgewehren kennt. Hierbei wurde der Lauf quasi in zwei Teile geknickt. In den vorderen längeren Teil wurde von hinten die Kugel eingesteckt, der kürzere hintere Teil bildete die Kammer für das Schießpulver. Nach dem gleichen Prinzip funktionierte auch der schraubbare Lauf. Es gab unterschiedliche Methoden, die Läufe bzw. die Kammerstücke zu verschließen. Man nannte sie Block-, Schraub-, Keil-, Klapp- und Fallblockverschlüsse.


Den ersten Hinterladeverschluss für Armeegewehre baute der Franzose Isaac de Chaumette im Jahre 1704. Bei fast allen Hinterladern, insbesondere bei denen mit schraubbaren Lauf, gab es aber das Problem der Ladehemmung, weil sich die Pulverrückstände in den feinen Gewinden festsetzen konnten. Der schottische Infanteriehauptmann Patrick Ferguson löste dieses Problem, in dem er quer zu den Schraubenwindungen einen Schlitz einschnitt, in dem sich die Pulverrückstände sammeln konnten. Damit hatte er einen perfekten Steinschlosshinterlader konstruiert, der im Unabhängigkeitskrieg von den Briten gegen die amerikanischen Kolonisten eingesetzt wurde. Bei der Schlacht am Brandywine Creek wurden allerdings Ferguson und viele seiner Kameraden verwundet, so das die "Ferguson-Büchse" erst gar nicht richtig zum Einsatz kam. Schnell wurde diese ausgezeichnete Waffe wieder vergessen.


Viele amerikanische Erfinder versuchten sich an der Konstruktion noch ausgeklügelter Mechanismen. Einer davon war John Hancock Hall. Hall war Schiffsbauer, und hatte normalerweise keine Erfahrung als Büchsenmacher. Dennoch konstruierte er im Jahre 1811 ein Gewehr, bei dem ein Kammerstück, an dem der Hahn und die Zündpfanne (später wurde die ZündpfanHall Riflene durch einen Perkussionszünder ersetzt) angebracht waren, in eine Kastenfassung des Schaftes eingesetzt werden konnte. In diesem Kammerstück befand sich dann die Pulverladung und die Kugel. Durch lösen einer Schraube, konnte die gesamte Einheit herausgenommen und - wenn auch nur auf kurze Distanz - als Pistole verwendet werden. John Hancock Hall machte sich aber nicht nur einen Namen durch den Bau seiner Hall-Rifle, er war auch der Konstrukteur der ersten dampfgetriebenen Maschinen, mit denen in der Harpers-Ferry-Waffenfabrik Einzelteile für ein Gewehr maßgenau hergestellt werden konnten. Dadurch waren sämtliche Teile des Gewehrs austauschbar.


Ein weiterer berühmter Erfinder, der in der Harpers-Ferry-Waffenfabrik gelernt hatte, war Christion Sharps. Im Jahre 1848 ließ er sich in Cincinatti, Ohio seine Erfindung eines "Fallblockverschlusses" patentieren. Hierbei befand sich ein rechteckiger Stahlblock in einem rechteckigen Schacht. Wenn man nun den Unterhebel, der den Abzug umgab (Abzugsbügel) nach vorne drückte, senkte sich der Stahlblock in dem Schacht nach unten. Jetzt war das Patronenlager zugänglich, in dem nun eine Papierpatrone eingeführt werden konnte. Die Papierpatrone bestand aus Treibladung, Verdichtungspfropfen und Kugel.


Wenn man den Unterheben nun wieder zurückklappte, wurde der Stahlblock wieder nach oben geschoben. Dabei schnitt er den Boden der Papierpatrone ab, und die Treibladung lag nun vor dem Zündschacht. Gegenüber der Hall-Rifle hatte die Sharps-Rifle den Vorteil, dass sie zum einen schneller zu laden war, und das zum anderen der Gasdruckverlust vermindert wuSharp Riflerde. Die Sharps-Büchsen gab es in drei Ausführungen und in den verschiedensten Modellen. Die Sharps-Rifle war ca. 120 cm lang und hatte ein Gewicht von 4 kg. Sie verschoss Kugeln mit einem Durchmesser von 13,2 mm (Kaliber .52). Der Sharps-Karabiner war kleiner und leichter. Seine Länge betrug ca. 95 cm und sein Gewicht lag bei 3,5 kg. Das Kaliber war so groß, wie das der Sharps-Rifle. Schließlich gab es ein Scharfschützengewehr mit einer Gesamtlänge von 130 cm. Das Gewicht war je nach Ausführung unterschiedlich. Es lag wischen 8 bis 15 kg.


Das Gewehr war mit einem besonders starken Verschluss ausgestattet. Dadurch konnten sehr starke Pulverladungen verwendet werden. Dank eines Zielfernrohrs war es möglich, Ziele bis zu einer Entfernung von 800 zu treffen.

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