Colt Perkussionsrevolver

Am 10. Juni 1818 meldete Captain Artemus Wheeler aus Concord, Massachusetts den ersten brauchbaren Perkussionsrevolver als Patent an. Im Gegensatz zum Bündelrevolver, handelte es sich hier um eine Waffe, bei der sich hinter einem Einzellauf eine drehbare Trommel befand. Der Revolver war noch mit einem Steinschloss ausgestattet, hatte aber schon die Eigenschaft, dass die Trommel beim Abfeuern der Waffe gegen den Lauf gedrückt wurde, um den Gasverlust zu verringern. Ca. ein halbes Jahr später ließ Elisha Collier aus Boston dasselbe Modell in England patentieren und im Jahre 1819 war es der Bostoner Cornelius Coolidge, der das Patent in Frankreich anmeldete. Dennoch waren diese Revolver nur kurze Zeit auf dem Markt. Auf der einen Seite waren sie zu teuer, sodass sich die Armee nicht dafür interessierte, zum anderen gab es zu dieser Zeit bereits das Zündhütchen, sodass bessere und billigere Revolver produziert werden konnten. Colt ist wohl der Name, der zur damaligen Zeit für alle Revolver benutzt wurde und auch heute noch benutzt wird. Sein Erfinder, oder besser gesagt Produzent war Samuel Colt, denn erfunden hat er den Revolver nicht. Zwar wird gesagt, dass ihm auf einem Schiff bei der Beobachtung des Steuerrades die Idee zur Verriegelung der Trommel gekommen sei, aber wahrscheinlich hat er sich mehr an den Konstruktionen von Wheeler, Collier und Coolidge orientiert. Samuel Colt war ein raffinierter Geschäftsmann, der es Verstand sich seinen Geldgebern durch Geschenke in Form von Revolvereinzelstücken dankbar zu erweisen. Nachdem er 1835 das französische und englische Patent für seinen Revolver erhielt, bekam er 1836 auch das Amerikanische. Im gleichen Jahr begann seine Produktion in der "Colt Patent Arms Manufacturing Company" in Paterson, New Jersey.


Entsprechend wurde der erste Colt-Revolver auch "Modell Paterson" genannt. Eines der Hauptmerkmale dieser Waffe war der versenkte Abzug (Faltabzug = Folding Trigger) ohne Abzugsbügel, der erst herausklappte, wenn der Hahn zurückgezogen und arretiert wurde (Single-Action). Die 5-schüssige Trommel konnte zum Laden herausgenommen, oder gleich durch einColt Patersone zweite ersetzt werden. Beim Spannen des Hahns wurde die Trommel durch einen Mechanismus, der mit dem Hahn verbunden war, bis zur nächsten Kammer weiterbewegt und fest arretiert. Auch im entspannten Zustand blieb die Trommel verriegelt. Zur Ausstattung des Revolver gehörte eine zweite Trommel, ein Schauben- und Pistonschlüssel, eine Schere für die Beseitigung der Gusszapfen an den Bleikugeln und eine Pulverflasche, mit der alle fünf Kammern der Trommel gleichzeitig gefüllt werden konnten. 1839 wurde die Waffe mit einem Ladepresshebel ausgestattet, der sich unter dem Lauf befand. Durch herunterklappen dieses Hebels wurden Pulver, Verdämpfungspropfen und Kugel fest in die Trommel gepresst. Dadurch entfiel das umständliche Ausbauen der ganzen Trommel. Der Paterson-Colt wurde zwischen 1836 und 1841 hergestellt. Während dieser Zeit wurden mehrere Versionen dieses Typs produziert. Es gab den Taschenrevolver "Baby-Paterson", den Gürtelrevolver "Pocket-Paterson" und den "Holster-Revolver". Alle waren mit unterschiedlichen Lauflängen und Kalibern ausgestattet. Von jeder Version sollen nur 500 bis 1000 Stück hergestellt worden sein. Jedenfalls sind Waffen mit einer höheren Seriennummer als Tausend nicht bekannt. Obwohl es eine gute Waffe war, brachte sie nicht den nötigen finanziellen Erfolg für Samuel Colt, um seine Firma weiter zu führen. 1843 war die Firma bankrott. Dennoch wurden seine Revolver einige Zeit später bei den Texas-Rangern eingeführt und zwar mit großem Erfolg.


Während des amerikanisch-mexikanischen Krieges von 1845 bis 1848 wurden auch die Texas-Ranger eingesetzt. Jetzt interessierte sich auch die reguläre US-Armee für die Colt-Revolver. Man benötigte aber eine noch bessere und schwerere Waffe als das "Modell Paterson". So schickte man im Jahre 1Colt Walker847 Captain Samuel H. Walker nach New York, um mit Samuel Colt zu verhandeln. Walker überreichte Colt einen Regierungsauftrag über 1000 Revolver, an dessen Konstruktion auch Walker selber beteiligt war. Die Waffe wurde in der Fabrik von Eli Whitney jr. in Whitneyville, Connecticut, hergestellt. Sie trug die Bezeichnung "Army Model 1847" oder "Whitneyville-Walker" oder einfach "Modell Walker". Der Revolver hatte ein Kaliber von .44. Seine Gesamtlänge betrug ca. 40 cm und die Lauflänge lag bei ca. 23 cm. Das Gewicht des Revolvers betrug über 2 kg. Die Trommel war mit sechs Kammern ausgestattet und der Abzug hatte diesmal einen Abzugsbügel, der hinten rechteckig war. Alle Waffen hatten einen Ladepresshebel, mit dem die Waffe geladen wurde. Die US-Regierung war höchst Zufrieden mit diesem schweren Revolver.


Samuel Colt gründete 1847 seine eigene neue Waffenfabrik in Hartford, Connecticut. Hier produzierte er 1848 eine leichtere Ausführung des "Walker"-Revolvers, den so genannten "Old Model Army". Da er zwischen 1848 und 1860 die US-Kavalerie mit dieser Waffe ausrüstete, wurden er auch als "Dragoon"-Colt DragoonRevolver (Dragoon = Dragoner) bezeichnet. Der Lauf beim "Dragoon"-Revolver war etwas kürzer als der seines Vorgängers. Die Länge betrug nun 19 cm. Auch die Trommel wurde verkürzt und der Rahmen für die Griffschalen war aus Messing. Das machte den gesamten Revolver bei gleichbleibendem Kaliber leichter, so dass sein Gewicht nur noch ca. 1850 Gramm betrug. Außerdem wurde der Ladepresshebel durch eine Federsperre am Lauf festgehalten. Bis 1861 wurden drei verschiedenen Versionen des "Walker"-Revolvers angeboten, die sich aber nur in einigen Details unterschieden. Es wurden über 20000 Stück produziert und der Erfolg diese Revolvers war so groß, dass Samuel Colt mit der Herstellung nicht mehr nachkam. Außerdem wurde die Konkurrenz auf dem Markt immer größer. Samuel Colt erkannte schnell, das die alleinige Belieferung der US-Armee nicht ausreichen würde. Es gab auch andere Absatzmärkte die beliefert werden mussten. So benötigten die Mormonen, die nach Utah auswanderten, die Siedler, die in das gelobte Land nach Oregon oder Kalifornien zogen, die Frachtwagenfahrer, die auf dem Weg nach Santa Fé waren, die Goldgräber in Kalifornien und Montana und natürlich auch die Revolvermänner und die, die es sein wollten Revolver, um sich gegen ihre Feinde zur Wehr zu setzen.


Modell Pocket "Baby Dragoon" 1848: Colt produzierte fortan für jedes Bedürfnis die unterschiedlichsten Revolvermodelle. Es gab eine unüberschaubare Zahl von Grundmodellen, die auch noch verbessert und verändert wurden. Ein bekanntes Modell beispielsweise war der Taschenrevolver "Colt Old Model Pocket", der auch "Baby Dragoon" genannt, und seit 1848 gebaut wurden. Er hatte ein Kaliber von .31, eine Trommel mit fünf Kammern, aber keinen Ladepresshebel. Der Griffrahmen war wie beim "Walker"-Modell aus Messing und der Abzugsbügel war hinten eckig.


Modell "Wells & Fargo": Ein ähnliches Modell wie der "Baby Dragoon" war das Colt Modell "Pocket" von 1849. Im Gegensatz zum Vorgänger hatte dieses Modell jedoch einen kürzeren Lauf und der Abzugsbügel war hinten gerundet. Zunächst hatte diese Waffe eine 5-schüssige Trommel. Ein Jahr später wurde sie aber auch mit einer 6-schüssigen Trommel ausgestattet. Das Transportunternehmen Wells & Fargo stattete ihre Mitarbeiter mit diesem Revolver aus. Daher wurde das Modell auch als "Wells & Fargo" bezeichnet. Wie beim "Baby Dragoon" fehlte dem "Wells & Fargo"-Revolver auch ein Ladepresshebel unter dem Lauf. Man war bei dem Transportunternehmen der Meinung, dass im Falle eines Überfalls ein schnelles Nachladen aus Mangel an Zeit sowieso nicht möglich gewesen wäre. Der Revolver wurde von 1849 bis 1875 über 330000 mal verkauft und war damit der Erfolgreichste aller Zeiten.


Ein weiterer Revolver, der die Lücke zwischen dem schweren "Dragoon-Colt" und dem leichten "Baby Dragoon" bzw. "Wells & Fargo"-Revolver schloss, war das Modell "Navy" von 1851. Dieser Revolver hatte eine 6-schüssige TromColt Navymel und ein Kaliber von .36. Der Lauf war achteckig und hatte eine Länge von 19 cm. Das Gewicht lag bei 1180 Gramm. Im Laufe der Zeit gab es unterschiedliche Versionen mit geringfügigen Änderungen. Teilweise war der Griffrahmen aus Messing, teilweise aus Stahl. Es war eine Waffe, die bequem am Gürtel getragen werden konnte, ohne dass ihr Gewicht als störend empfunden wurde. Zwischen 1851 und 1873 wurden über 215000 Exemplare hergestellt. Auch dieser Revolver war im Wilden Westen sehr erfolgreich. In Wild Bill Hickoks Gürtel steckten zwei Exemplare, und auch John Wesley Hardin ging mit dieser Waffe aus seinem ersten Duell als Sieger hervor.


Auf der Basis des Colt-Modell "Navy" wurde 1860 das Modell "Army" hergestellt. Der Revolver war mit 1210 Gramm ähnlich schwer wie sein Vorgänger und auch der Lauf war mit seinen 20 cm nur ein Zentimeter länger. Allerdings wurde der Rahmen noch verbessert, so dass die Waffe eine höhere PColt Armyulverladung vertrug. Außerdem war der Abzugsbügel aus Messing. So konnten Kugeln mit dem von der US-Armee bevorzugtem Kaliber .44 abgefeuert werden. Von diesem Revolver wurden zwischen 1860 und 1873 über 200000 Exemplare hergestellt. Bis zur Einführung des ersten Colt-Patronenrevolvers gab es noch das Modell "Navy" von 1861, von dem zwischen 1861 und 1873 aber nur knapp 39000 Stück hergestellt wurde. Außerdem gab es noch das Modell "Police" von 1862, speziell für Polizeibeamte und Detektive. Hierbei handelte es sich um einen Revolver mit einer Lauflänge von 8 bis 16,5 cm. Er hatte ein Kaliber von .36 und sein Gewicht betrug maximal 740 Gramm. Schließlich sei noch ein Modell aus dem Jahre 1863 zu erwähnen, das man als "Colt New Model Pocket Pistol of Navy Caliber" bezeichnete. Wie das Modell "Police" hatte dieser auch eine Trommel mit fünf Kammern.

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