Die Weidekriege Der Lincoln County Krieg

In der Anfangszeit waren die häufigsten Ursachen einen Weidekrieg zu führen, Streitigkeiten über Wasserrechte, Landbesitz und Viehdiebstahl. Hierbei standen sich in den meisten Fällen mehr oder weniger gleich starke Parteien gegenüber. Rancher kämpften mit Waffengewalt gegeneinander oder gegen Siedlergruppen bzw. Heimstätter. In der Folgezeit mussten sich die Rancher aber gegen Gegner behaupten, dessen Waffen gefährlicher waren als ihre Revolver. Es waren Gegner mit wirtschaftlicher und politischer Macht, Gegner, mit denen es die Rancher bis dahin noch nie zu tun hatten. So gab es im Lincoln County in New Mexiko den ersten Krieg, in dem sich machtstrebende Geschäftsleute auf der einen Seite, und Rancher, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlten, auf der anderen Seite gegenüberstanden. Im Jahre 1865 wurden im Lincoln County die im Bürgerkrieg geschlossenen Forts wieder geöffnet. Immer mehr Siedler strömten in das Land und für die Indianer wurden hier weiträumige Reservationen angelegt. So entstand ein riesiger Absatzmarkt für Rindfleisch, das von den Ranchern an die Soldaten, Siedler und Indianer verkauft wurde. Neben den Ranchern kamen auch andere Händler in das Land, von denen die Bevölkerung mit anderen lebensnotwendigen Dingen versorgt wurde. Einer der größten Rinderbarone im Lincoln County hieß John S. Chisum. Er verachtete die machthungrigen Geschäftsleute und Politiker. Es war nicht sein Ziel, sein Unternehmen mehr und mehr zu vergrößern, um eine gewisse Macht zu erlangen, sondern es reichte ihm völlig aus, seine wirtschaftliche Stellung zu erhalten.


Dennoch führte er sein Unternehmen mit strenger und seiner Ansicht auch gerechter Hand. Mit professionellen Viehdieben machte er nach "alter texanischer Sitte" kurzen Prozess, während er gegenüber Kleinranchern, die er beim erwischte, beide Augen zudrückte. Lange Zeit konnte er seine Stellung als Rancher im Lincoln County behaupten, bis ein gewisser Lawrence G. Murphy auf der Bildfläche erschien. Murphy war kein Rinderbaron, sondern ein Geschäftsmann, der zunächst mit einem Handelsposten anfing, später aber die erste und einzige Handelsbank in der Region eröffnete. Dann übernahm er noch sämtliche Transportkapazitäten in der Gegend. Dank dieses Handelsmonopols war er nun in der Lage, Preise festzusetzen und Wucherzinsen zu verlangen, und nachdem er schließlich auch noch einen Einfluss auf die Landvergabe hatte, war seine Macht auf dem Höhepunkt. Zusammen mit seinen Partnern John H. Riley und James J. Dolan musste er diese Macht nur noch halten, und das gelang ihm durch Bestechung. So gewährte der "Santa Fé Ring" - wie die Organisation nun genannt wurde - dem Gouverneur Axtell zinslose Darlehen, für den Kommandeur von Fort Stanton, Oberst Dudley, und seinen Soldaten gab es großzügige Geldgeschenke. Auch der Sheriff des Bezirks, William Brady, wurde finanziell unterstützt. Der Generalstaatsanwalt Catron war ebenfalls Mitglied des "Santa Fé Rings" und beteiligte sich am Gewinn. Zu seinem Schutz standen Murphy zahlreiche Revolverhelden zur Seite. Sie lieferten in Streitfällen mit den Kunden auch die überzeugensten Argumente, wenn es verbal nicht mehr weiterging.


Für all diese Zuwendungen verlangte Murphy natürlich auch eine Gegenleistung. So kam es, dass dem Rinderbaron Chisum die Lieferverträge  für Rindfleisch aufgekündigt wurde, die er mit der Armee abgeschlossen hatte, weil Murphy günstigere Angebote machte. Dazu war er in der Lage, weil er das Vieh von den Rancher - unter anderem auch von Chisum - stehlen ließ. Während Chisum früher noch in der Lage war, mit seinem Revolver gegenüber Rinderdieben und Indianern "Gerechtigkeit walten zu lassen", stand er nun einer nicht geringen Anzahl von Revolverhelden gegenüber. Der juristische Weg brachte ihm auch nichts, denn sämtliche Staatsanwälte und Richter waren bestochen. Chisum wollte sich aber nicht unterkriegen lassen. Aus diesem Grunde verbündete er sich mit dem Rechtsanwalt Alexander McSween und dem Kleinrancher John H. Tunstall.


McSween eröffnete daraufhin zunächst eine Anwaltskanzlei und später eine eigene Bank und ein Warenhaus. Seine Darlehenszinsen waren aber bei weitem nicht so hoch wie die von Murphy, und auch seine Preise waren fair. Für Murphy war das eine Herausforderung zum Kampf. Während sich die Männer, die er bestochen hatte, hinter ihm stellten, schlugen sich die übrigen Bürger auf die Seite McSwenns. McSwenn sammelte Belastungsmaterial gegen Murphy für einen zukünftigen Prozess und Murphy heuerte wiederum eine Bande an, die McSweens Bürger durch Drohungen und Mord dazu bewegen sollte, die Seiten zu wechseln.


Als John H. Tunstall dem Sheriff Brady Steuerhinterziehung vorwarf, reagierte die Gegenseite sofort, indem ein Gericht die Beschlagnahme des gesamten Besitzes von McSween und Tunstall verfügte. Das Gericht war natürlich mit Anhänger des "Santa Fé Rings" besetzt. Als Begründung wurden McSween Unterschlagung und Wucher vorgeworfen. Benachteiligte sollen die Hinterbliebenen eines gewissen Emil Fritz gewesen sein, der zu Lebzeiten ebenfalls ein Partner des "Santa Fé Rings" war. Die Bitte McSween, bis zur Entscheidung eine Kaution zu hinterlegen, wurde abgelehnt. Daraufhin wurde der gesamte Besitz von McSween und Tunstall beschlagnahmt.


Nachdem McSween daraufhin das Beweismaterial gegen Murphy offen legen wollte, wurde der unbewaffnete John Tunstall vier Tage später - am 18. Februar 1878 - von Sheriff Bradys Männer erschossen, weil er sich angeblich der Beschlagnahme seines Besitzes wiedersetzte. Aus diesem Grunde wurden Tunstalls Männer - darunter auch ein gewisser Henry Antrim der sich Billy the Kid nannte - neben Robert Brewer und zahlreichen anderen Männern vom Friedensrichter Green Wilson als Polizisten vereidigt. Sie erhielten Haftbefehle und sollten Sheriff Brady und seine Männer dingfest machen. Dennoch gelang es dem "Santa Fe´ Ring" durch politische Manipulationen die vereidigten Polizisten als Verbrecher darzustellen. Richter Green Wilson wurde vom Gouverneur Axtell abgesetzt, und gegen Robert Brewer und seinen Polizisten wurde Haftbefehl erteilt. Jetzt waren sie Outlaws, und Sheriff Brady sollte sie finden und verhaften.


Um dieser Verhaftung zu entgehen, erschossen Billy the Kid und seine Freunde am 1. April 1878 Sheriff Brady und zwei seiner Männer. Sie nannten sich jetzt Regulatoren. Am 4. April ermordete ein Killer Alexander McSween. Daraufhin folgte ein Feuergefecht zwischen den Regulatoren und dem Killer, bei dem dieser, aber auch Robert Brewer erschossen wurden. In der Folgezeit kam es dann zu mehreren Schießereien und mehrere Männer der Regulatoren, darunter auch die Anführer, wurden tödlich getroffen.


Am 19. Juli 1878, umstellten Sheriff Peppin und seine Männer das Haus von Alexander McSween, worin sich die Regulatoren versammelt hatten. Nachdem das Haus in Brand gesetzt wurde und es keine Hoffnung mehr gab, stürmten Billy the Kid und seine Freunde schießend aus dem Haus und entkamen. Da ein Mann von Sheriff Peppin dabei erschossen wurde, wurde das Kopfgeld pro Mann von 500 auf 1000 Dollar erhöht. Inzwischen wurde Gouverneur Axtell, der Richter Wilson abgesetzt hatte, ebenfalls seines Postens enthoben. Lawrence G. Murphy war an Leberkrebs gestorben und der neue Gouverneur Lewis Wallace sprach eine Amnestie für die Regulatoren aus, womit der Krieg im Lincoln County beendet war. Den Anwälten des "Santa Fé Rings" gelang es aber, Billy the Kid von der Amnestie auszunehmen, der später dann von Sheriff Pat Garrett erschossen wurde. John Simpson Chisum, der sich während des ganzen Krieges mit seinen Männern im Hintergrund gehalten hatte, starb am 22. Dezember 1884 an Krebs.





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