Der Johnson County Krieg

Da der Lohn der Cowboys nicht gerade üppig war, und jeder damit rechnen musste im Winter arbeitslos zu sein, begannen einige damit nebenbei eigene Kälber zu fangen und ihnen ein Brandzeichen aufzusetzen. Solche Cowboys nannte man Rustler. Im Jahre 1884 wurde von der Viehzüchtervereinigung in Wyoming jedoch eine Verordnung eingeführt, nach der es jedem Cowboy verboten war zu "rustlen". Von nun an sollte er nur noch für seinen Arbeitgeber tätig sein. War sein Brandzeichen nicht im Verzeichnis der Viehzüchtervereinigung eingetragen, galten seine Rinder als "Mevericks". (Normalerweise Rinder ohne Brandzeichen, die keinem gehören). Man wollte mit dieser Maßnahme die Viehdiebstähle eindämmen, die enorme Ausmaße angenommen hatten. Mit einer einfachen Verordnung war es aber nicht getan, man musste sie auch durchsetzen. So wurden in jedem County Inspektoren und Weidedetektive eingesetzt, die für die Einhaltung dieser Verordnung zu sorgen hatten. Im Johnson-County waren für diese Aufgabe drei Männer verantwortlich: Frank Canton - Sheriff von Buffalo, - Phil Dufran und Mike Shonsey.


Natürlich waren die Cowboy empört über diese Verordnung und auch die Bevölkerung solidarisierte sich mit ihnen. Das Problem war, dass das "rustlen" von nun an auf eine Stufe mit dem Viehdiebstahl gestellt wurde, während es früher im Westen nach einem ungeschriebenem Gesetz erlaubt war. Auch die Heimstätter und Siedler schlugen sich auf die Seite der Cowboys. Allerdings hatte die neue Verordnung keinen durchschlagenden Erfolg. Im Gegenteil, es wurde mehr "gerustlert" als je zuvor, und auch der Viehdiebstahl nahm stetig zu.


Als Gegenmaßnahme wurden daraufhin sämtliche Brandzeichen Wyomings von einem gewissen John Clay für ungültig erklärt, wodurch schlagartig sämtliche Rinder in diesem Gebiet zu Mevericks wurden. Jeder Cowboy, der nun einem Rind ein Brandzeichen setzte, ohne für einen Großrancher zu arbeiten, sollte verhaftet werden. Über 16000 Rinder wurden auf diese Weise beschlagnahmt, was die Einwohner der Siedlerstädte so empörte, dass z. B. in Buffalo der Sheriff Frank Canton aus seinem Büro geworfen wurde. Als Nachfolger wurde der Schotte Red Angus gewählt, der ebenfalls ein Gegner der Großrancher war. Im Jahre 1886 setzte der Winter ungewöhnlich früh ein. Hoher Schnee und eisige Temperaturen richteten Tausende Rinder zu Grunde. Viele Tiere erfroren oder verhungerten. Für manchen Rinderzüchter bedeutete dieser harte Winter das Aus für die Viehzucht. Sie mussten ihre Betriebe schließen und das Land verlassen. Nun war wieder etwas mehr Platz in Wyoming, so dass im Frühling 1887 zahlreiche Siedler in das Land kamen. Nach dem Heimstättengesetz hatte jeder das Recht, ein Stück Land in Besitz zu nehmen. Die verbliebenen Großrancher hatten nur eine Möglichkeit, die Siedler wieder aus dem Gebiet zu vertreiben, indem man sie des Viehdiebstahls bezichtigt, egal ob es nun begründet war oder nicht. So wurde beispielsweise in der Rinderstadt Bothwell ein Mann namens Jim Averill von Männern der Bothwell-Ranch mit dieser Begründung gehängt. Ebenso erging es seiner Nachbarin Ella Watson, die einen kleinen Rinderhandel betrieb. Auch ein gewisser Ron Wagoner wurde zwei Jahre später von dem Revolvermann Tom Smith gehängt, weil er angeblich Pferde gestohlen haben soll. Mehr Glück hatte der Kleinrancher Nate Champion. Er lebte mit einer gewissen Rose Gilberston in einer kleinen Hütte am Powder River. Eines Nacht wurden sie vom ehemaligen Sheriff Frank Canton, Tom Smith, einem gewissen Joe Elliot und dem Revolvermann Coates überfallen. Champion konnte sich aber mit seiner Waffe verteidigen und verwundete zwei Männer, worauf alle Angreifer flüchteten. Joe Elliot wurde zwar gefasst, aber schon bald wieder frei gelassen. Die anderen waren zunächst spurlos verschwunden. Angesichts dieses Ereignisses schöpften die Siedler in Buffalo wieder neuen Mut. Man war nun bereit, gegen die Großrancher mit Gewalt vorzugehen, was Sheriff Angus aber vereiteln konnte. Wieder wurden zwei Kleinrancher erschossen, darunter ein gewisser Johnny Tisdale, der wahrscheinlich von Frank Canton ermordet wurden. Canton kam daher vor Gericht, wurde aber freigesprochen, obwohl es für die Tat Zeugen gab.


Wieder waren die Siedler zu allem bereit und wieder konnte Sheriff Angus sie vor einer Gewalttat abhalten. Er schaffte es aber, Frank Canton erneut vor Gericht zu bringen, und diesmal war eine Kaution von 30000 Dollar fällig, wenn er wieder auf freien Fuß sein wollte. Das war selbst für die Rancher - Cantons Auftraggeben - zuviel.


Unter der Führung von Major Wolcott und Tom Smith setzten sich im Frühjahr 1892 über 50 Männer mit dem Zug in Bewegung, um zunächst nach Casper zu gelangen. Major Wolcott hatte eine Todesliste mit über 70 Namen dabei. Die ersten, die auf der Liste standen, waren Sheriff Angus und Nate Champion. In Casper sollte die Truppe noch durch 100 weitere Cowboys verstärkt werden, aber keiner erschien. Daraufhin setzten die Männer ihre Reise mit Pferden fort, um ihr erstes Ziel zu erreichen: Buffalo. Hier sollte zunächst das Gerichtgebäude gesprengt, und anschließend der Sheriff getötet werden. Als sie aber erfuhren, dass sich Nate Champion mit einigen Männern in einem alten Camp aufhielt, änderte man den Plan. Man umstellte noch in der Nacht das Camp und wartete ab. Zunächst wurden zwei Gefangene gemacht, die nacheinander das Haus verließen, um Wasser zu holen. Dann viel der erste Schuss und verwundete einen von Champions Männer, der am Morgen an seinen Verletzungen starb. Es folgte ein weiterer Schusswechsel, bei dem drei Männer der Angreifer ebenfalls Verletzt wurden. Reiter, die an dem Camp vorbeikamen, wurden entweder mit Schüsse empfangen, oder konnten unbemerkt entkommen und so die Siedler in Buffalo warnen. Am Abend wurde das Haus von den Angreifern angezündet. Champion war nun gezwungen, das Haus zu verlassen, wobei er schließlich nach einem Schusswechsel getötet wurde. Am 10. April erreichte die Nachricht vom Tode Champion die Stadt Buffalo. Sämtliche Männer der Stadt bewaffneten sich nun, um sich gegen die Angreifer zu verteidigen. Es wurden Wachen aufgestellt und Boten ausgesandt, um weitere Männer für den Kampf zu gewinnen.


Viele Siedler aus Nah und Fern kamen den Verteidigern zur Hilfe. Den Männern unter der Führung von Major Wolcott und Tom Smith, die von dieser Gegenmaßnahme erfuhren, behagte das gar nicht. Man entschloss sich nun, die Stadt Buffalo nicht mehr anzugreifen und sich auf einer abgelegenen Ranch zu verschanzen.


Aus den Jägern wurden nun Gejagte, denn man erwartete jetzt einen Gegenangriff der Siedler. Viele der Männer ergriffen die Flucht, einige konnte Wolcott davon überzeugen zu bleiben, da er Hilfe von der US-Armee erwartete. Nachdem Sheriff Angus sich von dem Tod Champions überzeugt hatte, kehrte er nach Buffalo zurück und bat den Chef der Nationalgarde, Parmalee, um Hilfe, die er aber verweigerte. Auch Colonel van Horn wollte nicht helfBuffalo in Wyomingen, da er angeblich ohne Befehl nichts machen könne, was gelogen war. Schließlich ritt Sheriff Angus mit 300 Männern zu der Ranch, auf der sich Major Wolcott und Tom Smith mit ihren Männern verschanzt hatten. Es wäre ein Leichtes gewesen, die Gegner dingfest zu machen, da sich in der Nähe der Ranch mehrere Wagen mit Dynamit und Pulver befanden, die Angus Gegner mitgebracht hatten. Dennoch ritt er noch einmal zu Colonel van Horn, um ihm um Hilfe zu bitten, da er ein Blutvergießen vermeiden wollte. Wieder lehnte van Horn ab. Zum Glück bekam die US-Armee noch in der selben Nacht aus Washington ihren Einsatzbefehl. Sie nahmen Major Wolcott, Tom Smith und deren Männer fest, und beendeten die Belagerung.


Viele Männer, die auf der Seite der Großrancher standen, mussten nun um ihr Leben bangen. Es gab immer wieder bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Sympathisanten der Rancher und den Siedlern. Nur allmählich zog wieder Ruhe im Johnson County ein, dem Ort, an dem der letzte Weidekrieg im Wilden Westen statt fand.





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